Berlin : Kurzmeldungen

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THEKENTANZ

Bella Cubana

Husemannstraße 10, Prenzlauer Berg, Tel. 44 03 36 78, geöffnet täglich ab 17 Uhr

Der drinking man hat einmal ganz furchtbar eine kubanische Bar verrissen, weil sie die Mängel ihrer Cocktails durch Revolutionsfolklore zu kompensieren suchte. Daraufhin brach der kommunistenfreundliche Kneipenkapitalist in lautes Schimpfen aus und hätte beinahe jeden weiteren Besuch eines fidelistischen Lokals vergällt. Doch dann wehte dieser ans Ohr, „Bella Cubana“. So schön. Wer kann da widerstehen?

Vor der Bar in der Husemannstraße bricht jedoch Verwirrung aus. Ist es nun die Schänke links oder rechts in der Nummer 8? Beide Lokale wirken auf den ersten Blick wie hin-und-her-geklont: Wände in warmen Farben, dunkle Holztresen, Latino-Sound, Holzstühle auf dem Bürgersteig. Doch ein kleiner Unterschied legt den Besuch der rechten Gaststätte nahe: Links gibt es nur eine Hand voll Cocktails, und der Keeper deutet mürrisch an, das müsse wohl reichen. Tut es nicht. Also nach rechts. Und siehe da: Auf der Karte steht „Bella Cubana“. Darin sind hübsch viele Drinks aufgelistet.

Nachdem sich compañera und drinking man mit Chicken Wings und Quesadillas de Pollo gestärkt hatten, brachte die reizende Servierdame mit dem kubanischen Teint und dem Berliner Mundwerk einen Daiquiri „Classico“ und einen Hurricane. Abgesehen davon, dass es „clásico“ heißen müsste, war der Drink leider auch nur die 153. Variante des Pappschneegebirges mit flauem Aroma. Den Hurricane nannte die compañera schlicht „homöopathisch“.

In der Karte werden allerdings auch Drinks erwähnt, die speziell zum Genuss einer Zigarre komponiert werden. So kam ein Cohiba de Havana (brauner Havana Club 7 Jahre alt, Limettensaft, Rohrzuckersirup, Curaçao). Die Cohiba an sich war in dem Humidor auf dem Tresen nur noch in einer dünnen Ausführung zu bekommen. Das passte ganz gut: Der Cocktail bot erträgliche Süße, die Zigarre ließ sich wie ein etwas dickerer Zigarillo leicht und locker verqualmen. Fragt sich nur, wieso ausgerechnet dieser Drink besonders gut zu einem kubanischen Torpedo passen soll.

Die compañera verzichtete auf jedes Rauchwerk und hatte doch einen schweren Abend. Nach dem harmlosen Hurricane flog ein Mosquito (Mojito ohne Alkohol) herbei, der mit einem „nicht so lecker, ziemlich süß“ benotet wurde. Danach war die Lust auf ein weiteres Getränk perdu.

Das „Bella Cubana“ ist dennoch nicht verloren. Die Wandmalereien und Fotos zeigen, dass hier die cubanidad zumindest im Raumdesign weniger platt und muy auténtico als woanders zelebriert wird. Da prangt die Mutter Gottes, Sturm gepeitschte Fischer schützend, neben einem ähnlich sakralen Foto der „Tres Comandantes“ – Ché, Fidel und der Superbarbudo Camilo Cienfuegos. Hinten tanzen zwei junge Frauen zu kubanischem Sturmschrittsound. Mehr Atmosphäre als bei „El Cubanito“ nebenan. Die Servierdame der „Bella Cubana“ betonte auch trotzig, „wir waren zuerst da!“ Das mit den Drinks klappt irgendwann auch noch. Frank Jansen

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