Berlin : Kurzmeldungen

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TORTENSCHLACHT

Café Elfenstein

Helgoländer Ufer 7, Moabit, Telefonnummer 39 88 43 33, Öffnungszeiten Mo-Fr 8 bis 21 Uhr, Sa. u. So 11 bis 21 Uhr

Manchmal will man auch schlicht unter Koffeineinfluss in der Sonne sitzen. Im August, als die Sonne am längsten schien, da hat an einer sonnigen Straßenecke an der Spree das Café Elfenstein eröffnet.

„Frühstück, Mittagessen, Buffet, Internetanschluss“ steht draußen dran – und das klingt stark nach der pragmatischen Generation. Und wirklich, es gibt eine Karte für alle Fälle: jede Menge Sorten „hausgemachtes Konditor-Eis“, zwei Sorten Blechkuchen, ein paar Tapas für abends, Cocktails für die Happy Hour. Wenn man wollte, könnte man den ganzen Tag hier sitzen bleiben und zusehen, wie die Sonne um die Ecke wandert.

Aber das Café will noch mehr sein: „Schaut Euch um und hört mit Staunen/wie am Wegrand Elfen raunen,/die in ihren Blumen hocken/euch mit ihren Späßen locken.“ So steht es in der Karte. Aber keine Elfen weit und breit. Blumen auch nicht. Das ist das Problem. Nahtlos geht das große Pflastereck, auf dem draußen die Tische stehen, in das Asphaltband der Straße über. Drinnen ist das Elfenstein so etwas wie ein Großraumcafé mit neuen Hellholzmöbeln auf Terracottafliesen. „Selten ein Café gesehen, das so wenig nach Elfen aussieht,“ sagt der Tischnachbar trocken. Aber ist nicht das Besondere an Elfen, das nicht alle sie sehen können? Es bedient ein Mann mit rundem Gesicht. Der ist nett, aber auch kein Elf, so viel steht fest.

Aber er bringt ein frisches Tiramisu, worin einzig der Alkohol fehlt. Blechkuchen, Pflaume und Apfelstreusel, Kaffee, alles ganz ordentlich. Aber unser Bedürfnis nach Elfen wird immer dringender. Vielleicht sehen wir welche, wenn wir den „Elfensteincocktail“ kippen? Doch der ist alkoholfrei: Tonic Wasser, Minzsirup und frische Minzblätter. Der Likör am Glasboden sieht aus wie Moos, es sprudelt, und erfrischend ist er auch. Aber die winzigen Minzblätter sehen aus, als hätten sie hinter der Theke einen Teebeutel aufgeschnitten. Dies, so beschließen wir, ist Berlins Café mit der meisten Sonne und der geringsten Elfendichte.

Das sind immerhin zwei Superlative. Auf der anderen Seite der Brücke, einmal über die Spree, da liegt das Café Buchwald. Man kann es sehen von hier aus. Eine verwunschene Institution ist das, mit einem winzigen Garten. Ein Sehnsuchtsort. Wir gucken tief ins Glas und suchen beim nächsten Mal die Elfen wieder im Café Buchwald. Das liegt zwar im Schatten, ist aber eigen. Deike Diening

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