Berlin : Kurzmeldungen

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HINTER DEN KULISSEN

Ein üppiges Frühstück spendierte Klaus Wowereit am Dienstag zur Senatssitzung. Aber alkoholfrei, damit der Sinn für den Ernst der Lage nicht getrübt wurde. So beging er seinen 49. Geburtstag. Die Senatoren gratulierten blumenreich. André Schmitz, Chef der Senatskanzlei, verehrte ihm eine Krawatte in den Landesfarben rot-weiß. Peter Strieder schenkte ihm einen Stadtführer von Berlins ältester Partnerstadt Los Angeles, die der Regierende demnächst zum 35. Geburtstag der Partnerschaft besuchen will. Bei der Miniaturwaage von Klaus Böger meinte Wowereit fröhlich: „Ach ja, ich bin Waage.“ Doch der Schulsenator meinte es – „nee, mein Lieber“ – ganz anders: „Mögest du stets Balance halten.“ Also ein hintersinniger Wink. Erstens kann der nette Wowereit ganz schön eklig werden. Zweitens will Böger trotz der Sparzwänge Geld sehen.

Nachmittags tönte beschwingte Musik durchs Rote Rathaus. Drei Sänger und ein Pianist der Volksmusikschule Tempelhof brachten dem Regierenden ein Geburtstagsständchen: „Du hast Glück bei den Frauen, bel ami.“ Ach nein, der Text hätte so nicht ganz gepasst; er war umgedichtet. Die Gratulanten, alte Bekannte aus der Zeit, da Wowereit Volksbildungsstadtrat in Tempelhof war, wurden mit Torte, Kaffee und Sekt bewirtet. Von der Torte schwärmt eine immer noch: Staatssekretärin Monika Helbig.

Gute Freunde sind auch der frühere Finanzsenator Peter Kurth (CDU) und Claudia Hämmerling (Grüne). Kurth träumt schon jahrelang von einem schwarz-grünen Senat. Es reichte aber immer nur zur Gemeinsamkeit mit Frau Hämmerling beim Marathonlauf. Letzten Sonntag lief sie ihm erstmals davon. Er brauchte vier Stunden, neun Minuten und 49 Sekunden, sie überholte ihn mit vier Stunden, sechs Minuten, 58 Sekunden. Das soll aber die schwarz-grüne Marathon-Freundschaft nicht trüben.

Liberale und Grüne sind dagegen wie Feuer und Wasser; man weiß es seit den gescheiterten rot-grün-gelben Verhandlungen über einen Ampel-Senat. Bei ihrem Betriebsausflug in den Spreewald fühlte sich die FDP-Fraktion wunderbar bestätigt – vom Kahnführer des Bootsverleihs „Lustige Gürkchen“ in Lübben. Der Mann erläuterte ausführlich das Ökosystem im Spreewald und schimpfte dabei mächtig auf die Grünen: „Wenn es nach denen ginge, dürften wir hier gar nicht mehr staken, sondern müssten die Boote auf Rädern um die Kirche fahren.“ Er soll sehr zur heiteren Ausflugslaune beigetragen haben, heißt es. „Aber es war nicht so feucht-fröhlich, dass jemand ins Wasser gefallen wäre“, betont Fraktionssprecherin Christina Vardakis.

Parlamentspräsident Walter Momper ist jetzt unter die Schauspieler gegangen. In der Serie des Zweiten Deutschen Fernsehens „Die schnelle Gerdi“ mit Senta Berger als Taxifahrerin spielt er sich selbst. Dienstag wurde spät abends im Berliner Abgeordnetenhaus die Momper-Szene gedreht. Der Präsident kommt die Treppe mit dem roten Läufer herunter, „Gerdi“ geht ihm im Foyer entgegen. Er erzählt ihr, dass er ein Taxi braucht, weil der Dienstwagen in Reparatur ist. Die Szene war rasch im Kasten; Politik und Schauspielerei sind ja durchaus verwandt. Noch einmal tritt Momper übrigens im gut verwahrten Habitus seiner Glanzzeit als Regierender auf – mit dem alten roten Schal und dunkelblauen Mantel von 1989/90. Die Gage von 1000 Euro behält er nicht. Die spendet er für die Opfer der Flutkatastrophe, teilte er mit. Ehrensache. Brigitte Grunert

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