Berlin : Kurzmeldungen

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THEKENTANZ

Checkpoint Udo,

im Maritim Hotel, Friedrichstraße 151, Mitte, Tel.: 20 33 45 50, geöffnet täglich von 17 bis 2 Uhr

Einige Leser ahnen es vielleicht: Der drinking man ist nicht unbedingt ein Fan von Udo Lindenberg. Die compañera auch nicht. Aber vor einziger Zeit meinte sie, wenn sich die Bar eines größeren City-Hotels derart innig mit einem Künstler einlasse, wie es im Maritim der Fall sein soll, wäre ein Thekentest wohl unumgänglich. Am Abend eines langen Arbeitstages, als der drinking man matt zum Auto schlich, vermochte die compañera einen Besuch im Checkpoint Udo durchzusetzen, „nur kurz, ganz schnell“. Kein Widerstand möglich.

Der erste optische Eindruck: Ein weiträumiges Lokal, vollgehängt mit großflächigen, von Lindenberg fabrizierten Selbst-Porträts samt Hut und langem Nackenhaar. Kaum Leute, keine Nackenhaarfreaks. Die erste akustische Impression: Gottlob kein Udo, nur Schnulzenkonserve aus den 80ern. Ansonsten dominiert graugepolstertes, hoteltypisches Süffeln-ja-Exzesse-nein-Design. Der Tresen (plus footrail) ringelt sich, wie ein Swimmingpool, als große, geschlossene 360-Grad-Welle im Raum. Mehrere Hüte, möglicherweise Lindenbergs Stirnglatzenschoner, hängen in der Tresenlandschaft herum. Eine kleine Tanzfläche grenzt an ein Podest, auf dem ein seltsamer Fantasiestuhl steht (homemade by Udo?), dem sich unauffällige Sitzgruppen anschließen. Eine Servierdame in Alt-Mitropa-ähnlichem Dress brachte die Karte.

Auch hier ist Lindenberg präsent. Neben den üblichen Klassikern gibt es Drinks mit n wie „Udos Sonderzug (Pankow Punch)“, „Controletti Cocktail“, „El Panico“ und ähnliches. Der drinking man bestellte einen „Titanic Sundown“ (Weißer Rum, Myer’s Rum, Triple Sec, Grenadine, Maracujasaft) , der das Gefühl der Mattigkeit sanft verstärkte. Mit „schmeckt doch gut!“, kommentierte die compañera den orangefarbenen Cocktail, der als Udos Sonderzug nach Pankow puncht (Weißer Rum, Myer’s Rum, Captain Morgan’s Rum, Bols Apricot Brandy, Grenadine, Rose’s Lime Juice, Orangensaft, Ananassaft). Auf Servietten unter den Drinks verzichtet die Kellnerin. Knabberzeug gab’s nur am Tresen.

Irgendwann begann ein Mensch, das Checkpoint-Piano zu bearbeiten. Irgendwie hatte der drinking man dann auch genug von den monströsen Lindenbergs, die dem Gast ins Glas reinstarren. Sollten jetzt irgendwo in Berlin noch Wolfgang Petry oder Peter Maffay ein Lokal veredeln, muss die compañera ran. Vermutlich allein. Frank Jansen

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