Berlin : Kurzmeldungen

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HINTER DEN KULISSEN

Nach den anstrengenden Feierlichkeiten zum Tag der Einheit machte sich erst einmal alles in die Herbstferien fort. Nur Karin Schubert und Thilo Sarrazin von der SPD, Harald Wolf und Thomas Flierl von der PDS ließen sich Dienstag am Senatstisch blicken. Urlauber Peter Strieder ist trotzdem da – mit Telefoninterviews. Hingegen macht Klaus Wowereit aus seinem Urlaubsort wie üblich ein Geheimnis. Er fuhr für eine Woche „in die Sonne“. Vorher machte er am Sonnabend aber noch einen Abstecher nach Baden-Baden. Ehrensache, Bill Clinton, der am 3. Oktober in Berlin war, hatte Wowereit spontan zu einer Gesprächsrunde über Deutschland und die Welt eingeladen. Der frühere amerikanische Präsident war eben so gerührt über den herzlichen Empfang der Berliner bei der Enthüllung des Brandenburger Tores. Das sagte er dem Regierenden auch.

Manche Politiker schenkten sich die Feierlichkeiten, um die Ferienpause auszukosten. So auch die Grünen-Fraktionschefs Wolfgang Wieland und Sibyll Klotz. Dabei ging es selbst beim Tag der Offenen Tür des Abgeordnetenhauses am 3. Oktober hoch her. Die Parlamentsverwaltung zählte 12000 Besucher, die hereinschauten. Und bei der „Elefantenrunde“ im Plenarsaal wurden die Fraktionschefs mächtig mit Bürgerfragen gezwiebelt. Michael Müller (SPD), Frank Steffel (CDU), Stefan Liebich (PDS) und Martin Lindner (FDP) nahmen die Klotz/Wieland-Stellvertreterin Lisa Paus in die Mitte. Sie schlug sich dann am tapfersten. Jedenfalls nach dem Urteil von SPD-Fraktionssprecher Peter Stadtmüller, der ihr großes Lob für ihre Kompetenz spendete. Gerechtigkeit muss sein.

Inzwischen geht es in der rot-roten Koalition nicht mehr ganz so harmonisch zu. Der Wahlverlierer PDS hat sich unter Profilierungszwang gesetzt. Aber die personalpolitische Duftnote, die Sozialsenatorin Heidi Knake-Werner mit Anetta Kahane als Ausländerbeauftragter setzen wollte, hat sich ja verflüchtigt. Die SPD rieb ihr die Ungeschicklichkeit kräftig unter die Nase. Dass nun atmosphärische Störungen keine Krise sind, sagt Michael Müller mit Kafka: „Verbringe nicht die Zeit mit der Suche nach einem Hindernis. Vielleicht ist keins da.“

Dafür hat die PDS Finanzsenator Thilo Sarrazin auf dem Kieker. Klar, sie zieht jetzt erst recht die sozialpolitischen Karte, er kennt nur die Sparkarte. „Wenn Sarrazin mit dem Kopf gegen die Wand rennt, nimmt er beim nächsten Mal einen größeren Anlauf“, wird bei der PDS bitter-süß gefrotzelt. Der stellvertretende Senatssprecher Günter Kolodziej (PDS) legt mit Nietzsche nach: „Wer davon lebt, einen Feind zu bekämpfen, hat ein Interesse daran, dass er am Leben bleibt.“

Mit Tatütata rückte am Montagabend die Feuerwehr im Abgeordnetenhaus an. Der ganze Vorplatz war rot. Doch es brannte nicht. Frank Steffel hatte 45 Vertreter der Freiwilligen Feuerwehren zum Gespräch eingeladen. Sie erschienen in voller Montur und meinten: „Zuerst müssen wir mal unseren Durst löschen.“ Da wollte der Fraktionssprecher Michael Thiedemann nach Bier schicken. Aber die Männer verlangten Alkoholfreies, denn sie waren im Bereitschaftsdienst. „Wir nehmen Wasser zum Löschen“, witzelte einer. Landesbranddirektor Albrecht Brömme war auch dabei. Gefachsimpelt wurde natürlich über teure Wünsche. Die Freiwilligen wollen bessere Trainingsmöglichkeiten und eine Unfallversicherung, die ihren Namen verdient.

Von wegen Ferienstille. Mehrfach informierte die Parlamentsverwaltung am Mittwoch über die abendliche Stromabschaltung wegen Wartungsarbeiten an der komplizierten Technik. Die Durchsagen machten den FDP-Fraktionsassistenten Volker Adams ganz nervös, denn er hatte eine abendliche Gesprächsrunde des jugendpolitischen Sprechers Sonning Augstin mit FDP-Bezirksverordneten zu organisieren. Hektisch telefonierte Adams wegen der Mietung eines anderen Tagungsortes herum. Bis ihm ein Licht aufging. Der Strom wurde nur kurz abgeschaltet, und die Durchsage war eine Mahnung, die Computer zu sichern, damit sie nicht abstürzten. Also das Treffen im Preußischen Landtag war gerettet. Und die lauschige halbe Minute im Dunkeln wurde direkt als zu kurz empfunden. Brigitte Grunert

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