Berlin : Kurzmeldungen

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Zugegeben, es war ein prickelndes Gefühl, durchs Brandenburger Tor zu fahren. Am 13. August 1961, als wir fassungslos zusahen, wie es verrammelt wurde, dachte ich daran, dass wir noch ein paar Tage zuvor im Auto hindurchgerollt waren. Ich dachte immer daran. Und deshalb habe ich mich Jahrzehnte später wie ein Kind über jede Autofahrt durch das Tor gefreut. Doch lassen wir es bei der Erinnerung. Man soll seinen Verstand nicht mit Gefühlen vermauern. Was gestern und vorgestern war, gilt heute nicht mehr. Kopf und Herz sagen: Es ist aus zwei Gründen goldrichtig, die Autos, Busse und Taxis vom Brandenburger Tor und vom Pariser Platz fernzuhalten. Keine Sorge, das Tor bleibt ja offen.

Der Platz ist wie Phönix aus der Asche gestiegen, das Wahrzeichen wunderschön restauriert worden. Das muss auch zur Geltung kommen; es darf nicht durch Verkehrsstaus verunziert werden. Zudem verträgt es das zwei Jahrhunderte alte Tor nicht, wenn es mit Abgasen bepudert, geschrammt und gerammt und in seinen Fundamenten erschüttert wird. Gönnen wir ihm die schonende Behandlung, die es dringend braucht. Deshalb kann es nur eine weise Entscheidung geben – den ganzen Platz zur Flanierzone zu erklären. Genießen wir sie. Nach zehn Jahren alberner Streitereien um mehr oder weniger Autos an diesem Ort müsste auch Verkehrsideologen klar sein, worum es hier wirklich geht: um Ästhetik und Denkmalpflege. Brigitte Grunert

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