Berlin : Kurzmeldungen

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Sie fahren wieder, die S-Bahn-Züge durch den Nord-Süd-Tunnel, und sie halten also auch wieder im S-Bahnhof Friedrichstraße, unterste Ebene. Vier Monate wurde hier gebaut, saniert und umgestaltet. Sechs Millionen Euro wurden in dieser Zeit verbaut. Seit Sonntag, vier Uhr früh, läuft der Verkehr wieder planmäßig. Daran ist fast schon keiner mehr gewöhnt: dass alles normal funktioniert. Schließlich gab es zuletzt ständig Sperrungen bei der S-Bahn. Und jetzt sind – natürlich – einige Berliner gekommen, um sich anzusehen, was sich geändert hat. Manche sind eigens hergefahren, andere steigen auf ihrem Weg nur eben mal aus. Sie gehen gemächlichen Schrittes den Bahnsteig hinauf und wieder hinunter, wenden die Augen nach rechts und links und oben und unten, um das Bauwerk und seine Einzelheiten zu erfassen. Steigen probeweise die Treppen zum Ausgang Georgenstraße hinauf und kehren zurück. Oder laufen den Gang zum U-Bahnhof hinunter, der sein merkwürdiges Gefälle behalten hat. Erinnern sich, wie es bis Juni hier war, als die Baumaßnahmen begannen: verwinkelt, düster, schmuddelig. Vergleichen mit jetzt – und finden es „viel heller als früher“.

So sagt es ein älterer Herr mit Schirmmütze, so sagt es die Frau mit der Dauerwelle, so sagt es der Mann im schwarzen Halbmantel, der auf dem Treppenabsatz des Zugangs vom oberirdischen Teil des S-Bahnhofes steht und eine Zigarette raucht. Direkt vor einem Schild, das das Rauchen „auf unterirdischen Bahnhöfen“ verbietet und bittet, den aufgestellten Aschenbecher zu verwenden. Was der Herr, rauchend, tut.

Und weil sie den Bahnhof „hell“ finden – heller als früher –, finden sie ihn auch „schön“. Oder „gelungen“. Oder „ganz nett“. Nüchterne Antworten, sehr angemessen der schlichten Funktionalität des Bauwerks und seiner zurückhaltenden Farbigkeit mit hellgrauen Kacheln und dunkelgrauen Fliesen. Doch nicht nur die Neugierigen wenden die Köpfe und sehen sich um. Das tun auch viele der anderen, die aus den S-Bahnen steigen. Suchend. Sie müssen sich erst orientieren. Wo geht es hier zur U-Bahn? Zu den Stadtbahnlinien? Hinaus? Auch wer den Bahnhof kannte, muss sich neu gewöhnen. Und dann ist da noch ein Spaßvogel, der zwei Begleiterinnen durch den Bahnhof führt und nun noch auf einen „besonders wichtigen touristischen Anziehungspunkt“ zeigt: einen S-Bahn-Zug. Er trifft den Punkt. Sie fährt wieder. how

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