Berlin : Kurzmeldungen

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WAS DIE DEKANE SAGEN

Joachim W. Dudenhausen, Dekan der Medizinischen Fakultät der HumboldtUni: „Ausgehend vom Sparbeschluss der Koalition muss es eine Umstrukturierung geben, da sind sich alle einig. Das Gutachten enthält bedenkenswerte Anregungen. Wir wollten von Anfang an die Bildung einer medizinischen Fakultät mit zwei Kliniken. Nur, dass wir diese Fakultät gerne an der Charité angesiedelt hätten. Aber auch die Installierung einer gemeinsamen Leitung zwischen den beiden Unis begrüßen wir als Experiment, durch das beide Hochschulen ihre Medizin behalten können. Die langfristig geplante Schließung unseres Virchow-Klinikums verstehen wir als Aufforderung, die Strukturen dort kreativ zu ändern. Wir werden versuchen, in Wedding mit der Drittmitteleinwerbung auf einen ähnlichen Stand wie in Mitte und in Steglitz zu kommen. Wenn man ganz langfristig denkt – so bis 2050 – muss man ohnehin über einen neuen Standort für die gemeinsame Fakultät nachdenken. Der könnte in Adlershof gebaut werden.“

Martin Paul, Dekan der medizinischen Fakultät der Freien Universität: „Wir wollten die Expertenkommission, und wir beugen uns dem Urteil. Die vorgeschlagene Struktur ist gut durchdacht. Wir sind natürlich zufrieden damit, dass der Standort in Steglitz positiv bewertet wurde. Wir hoffen, die gute Zusammenarbeit auf der Fakultätsebene mit der Charité fortsetzen zu können. Von unserer Seite ist das ein klares Angebot.“

Manfred Gross, Prodekan für Medizin-Studium und Lehre an der Freien Universität: „Glücklich können auch wir am Klinikum Benjamin Franklin nicht sein. Weil weiterhin 98 Millionen Euro eingespart werden müssen, kann es keinen Sieger geben. Was die Expertenkommission vorgelegt hat, ist ein sehr diffiziles Konzept, dass man erst einmal analysieren muss. Allein die Verlagerungen einzelner Abteilungen werden sehr kompliziert. Die 98 Millionen sind zu schaffen, und es kann dabei eine leistungsfähige Hochschulmedizin erhalten bleiben. Aber die Einschnitte umzusetzen, wird schwer.“ -ry

WAS MEDIZINER SAGEN

Peter Gaehtgens, Physiologe und Präsident der Freien Universität: „Wir sind erleichtert. Die Sparauflage des Senats erzwingt aber eine Lösung, die zum Verbund der Hochschulmedizin führt. Da müssen wir uns die Details noch genauer angucken. Wir akzeptieren die Empfehlung aber und werden sie umsetzen, und wir erwarten auch, dass die Humboldt-Universität und die Politik sie akzeptieren. Es war der Wunsch aller, dass die Kommission eingesetzt wird.“

Günter Henze, Leiter der Klinik für Pädiatrie im Virchow-Klinikum: „Ich kann die Gutachter einfach nicht verstehen. Für meinen Bereich kann ich sagen, dass wir die stärksten Drittmitteleinwerber in Berlin sind. Ich weiß nicht, nach welchen Gesichtspunkten die Gutachter für die Kommission ausgewählt wurden. Ich weiß auch nicht, nach welchen Gesichtspunkten sie geurteilt haben.“

Roland Felix, Professor für Strahlenheilkunde am Virchow-Klinikum: „Ich halte das für völlig unvorstellbar, was bei dem Gutachten herausgekommen ist. Am Virchow-Klinikum sind 2 bis 3 Milliarden Mark investiert worden. Der Neubau ist bestens geeignet für die Ausbildung der Studenten und für die Forschung. Es wäre ein Jammer, wenn wir nun in alte Gebäude an der Charité umziehen müssten. Ich kann unser Klinikum in dem Gutachten nicht wiedererkennen.“

Henning Rüden, Direktor des Instituts für Hygiene und Umweltmedizin des Klinikums Franklin der Freien Universität, zugleich Leiter des Zentralbereichs Krankenhygiene an der Charité der Humboldt-Uni und Leiter des Bereichs Umwelthygiene an der Technischen Universität Berlin: „Ich bin ein bisschen verwundert über die Entscheidung. Allerdings halte ich eine gemeinsame medizinische Fakultät in Berlin für sinnvoll. Die Synergien werden größer, man kann in einen schärferen Wettbewerb mit anderen Bundesländern treten. Allerdings hätte ich es richtig gefunden, auch das Virchow-Klinikum mit einzubeziehen. Alle drei Kliniken hätten Betten streichen müssen, die Verwaltung würde zusammengelegt.“ akü

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