Berlin : Kurzmeldungen

Sabine Beikler

HINTER DEN KULISSEN

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit macht sich rar: Seine Auftritte in der Welt der Promis und Stars sind sehr ausgewählt. Er möchte den Kritikern nämlich keinen Zündstoff mehr geben, dass er gar mehr Zeit fürs Präsentieren statt fürs Regieren aufwenden würde. Aber so ganz ohne kann er auch nicht. Also verlagert er öffentliche Auftritte wenn möglich gleich ins Rote Rathaus. Das ist umso verlockender, wenn ihm noch dazu eine Film-Doppelrolle angeboten wird: Klaus Wowereit soll Klaus Wowereit spielen. Keine Frage, da konnte er nicht Nein sagen. Und: Sein Auftritt ist nicht in irgendeiner kleinen Nachmittagsserie, sondern in der beliebten Vorabend-Soap „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“. Dort übergibt er Preise an Jugendliche, die sich in der Initiative „Step 21“ gegen Rechtsextremismus engagieren. Die Jugendlichen sind junge Schauspieler, und Klaus Wowereit ist er selbst. Sendetermin: 17. Dezember.

Fernsehauftritte mögen auch andere Politiker. Frank Henkel, parlamentarischer Geschäftsführer der CDU, hatte man zwar keine Paraderolle in einer Teenie-Serie angeboten, aber immerhin ein Interview bei TLVB mit Sendeplätzen im Spartenkanal. Der Moderator fragte den CDU-Politiker, ob er sich wie andere Berliner vorstellen könne, die Stadt zu verlassen. Die Antwort von Frank Henkel kam sehr spontan. „Ich bin in Berlin geboren, mit Spreewasser getauft und würde die Stadt nicht verlassen, auch wenn sie im Augenblick schlecht regiert wird.“ Na bitte, wenn das Herz spricht, braucht man keinen Text zu lernen.

Der Bundesparteitag der PDS in Gera hinterlässt nachhaltige Spuren. Die Berliner kehrten arg gebeutelt in die Stadt zurück, mussten sie sich doch am vergangenen Wochenende der geharnischten Kritik ihrer Parteifreunde aussetzen. Einer, der in Gera ganz besonders gelitten hatte, weil er sich entschieden für einen Reformkurs seiner Partei einsetzt, ist Benjamin Hoff. Der Abgeordnete ist auch wissenschaftspolitischer Sprecher seiner Fraktion und hatte am Montag gleich wieder mit seinem Fachgebiet zu tun, als das Gutachten der Expertenkommission Hochschulmedizin verkündet wurde. Hoff und sein SPD-Kollege Bert Flemming verfassten im Anschluss daran eine gemeinsame Pressemitteilung. Offenbar war der PDS-Politiker noch so verstört, dass er als SPD-Mitglied zeichnete. Gerade noch rechtzeitig vor Veröffentlichung entdeckte Pressesprecherin Kathi Seefeld diesen „Fehler“ und setzte die richtige Partei drunter. Benjamin Hoff bestreitet übrigens , dass er aus der PDS austreten will. Glauben Sozialisten eigentlich an Sigmund Freud?

Die Berliner FDP präsentiert sich seit dieser Woche ganz besonders europaorientiert. Als Leihgabe einer Galerie in Stettin ist bis Ende des Jahres moderne Kunst aus Polen in den Räumen der Fraktion ausgestellt. Weil das Projekt 18 nicht ganz so geklappt hat, wie man es sich vorgestellt hatte, dachten sich die Berliner Liberalen, dass man Themen wie die EU-Osterweiterung viel besser vermitteln kann, wenn man Gefühle statt Zahlen anspricht. Garantiert „diskursfrei“ wurde die Ausstellung in dieser Woche bei einem polnischen Büfett eröffnet. Der dazu gereichte Honig-Wodka war allerdings nicht jedermanns Sache. Wer sich die Kunst aus Polen anschauen möchte, kann sich bei der FDP im Abgeordnetenhaus anmelden.

Amüsement in der SPD-Fraktion: Zurzeit sind musikalische Laute mit tschechischem Akzent auf ihren Fluren nicht zu überhören. Der parlamentarische Geschäftsführer Christian Gaebler muss nämlich üben. Er singt seit Jahren als Tenor im Chor der Trinitatis-Gemeinde in Charlottenburg. Beim nächsten Auftritt präsentiert der Chor das „Vater unser“ auf tschechisch. Herr Gaebler betont, er möchte den Text wenigstens „phonetisch“ verstehen.

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