Berlin : Kurzmeldungen

Brigitte Grunert

Im Wappensaal des Roten Rathauses gab der Regierende ein Mittagessen für illustre Gäste, alle Amerikaner – Honorarkonsuln der Bundesrepublik in den USA. Beim Blick in die Gästeliste vor dem Empfang stutzte Klaus Wowereit. Angesagt hatten sich auch Gerd Schroeder mit Gattin Doris und José Carreras. Das Kanzlerpaar und der populäre Tenor? Wowereit dachte an einen groben Scherz. Als Mister Schroeder samt Ehefrau und Mister Carreras sich vorstellten, war alles klar. Namensgleichheiten sollen vorkommen. Nur häufen sich manchmal die Zufälle.

Zwei Mal machte Wolfgang Jungnickel von sich reden. Als sich das Abgeordnetenhaus vor einem Jahr konstituierte, trat er als Alterspräsident mit einer eigenwilligen Rede in Aktion. Jetzt trat der 74-Jährige aus der FDP-Fraktion und der Partei aus, weil ihm Möllemann-Affäre auf die Nerven ging. Die Fraktion nahm es mit betroffenem Schweigen zur Kenntnis. Nur die Grünen reiben sich die Hände. Nun sind sie mit ihren 14 Abgeordneten nicht mehr die „fünftstärkste“ Fraktion, denn die Liberalen haben auch nur noch 14. Das wirft Probleme auf. Bei den Rede-Runden kamen die Grünen bisher als Letzte dran. Aber wer ist jetzt der Letzte? Die Frage soll zu Beginn der nächsten Plenarsitzung durch Los entschieden werden.

Vorbildlich ist das Wir-Gefühl des PDS-Fraktions- und Parteichefs Stefan Liebich hinsichtlich der rot-roten Koalition. Liebich sagt auch „wir“, wenn er den Senat meint. Beim Presseauftritt mit SPD-Fraktionschef Michael Müller nach dem Scheitern der Solidarpakt-Gespräche führte er es vor. „In nächster Zeit werden wir Entscheidungen treffen“, sagte er und versprach, dass „wir“ einseitige Maßnahmen wieder rückgängig machen, sollten die Gewerkschaften an den Verhandlungstisch zurückkehren.

Wären nur die Differenzen zwischen der Berliner PDS-Spitze und ihrer Bundesspitze nicht. Preisfrage: Wer diszipliniert wen? Bürgermeister Harald Wolf und Stefan Liebich haben mit Bundeschefin Gabi Zimmer verabredet, dass die Chefin über alle Koalitionsdinge informiert wird. Der Vize-Senatssprecher Günter Kolodziej (PDS) warnt vor Missverständnissen: „Wir gehen nicht zum Rapport und nehmen keine Befehle vom Bundesvorstand entgegen, sondern setzen ihn sachlich in Kenntnis, damit die keine populistischen Bekenntnisse mehr ablegen.“

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