Berlin : Kurzmeldungen

Gerd Nowakowski

PRO

Haben Sie eine Geschäftsidee, wollen Sie einen Laden aufmachen? Dann meiden sie am besten den Bezirk Reinickendorf. Gehen Sie mit ihrem Unternehmen lieber nach Neukölln oder Wilmersdorf. Da dürfen Sie ihre Ware nämlich deutlich länger Ihrer Kundschaft präsentieren: Zumindest bis zur nächsten Wahl, die den Stadtrat einer anderen Partei ins Amt bringen könnte. Das klingt nicht nur ungerecht, das hat auch mit einem gesunden Wettbewerb im Einzelhandel nichts zu tun. Die Ladenschluss-Debatte braucht Phantasie und gute Ideen, um das unzeitgemäße Bundesgesetz auszuhebeln – aber nicht um den Preis der Wettbewerbsverzerrung. Lange Samstage, Straßenfeste, Shopping-Nächte – manche Bezirke entwickeln erhebliche Kreativität, um Sonderverkäufe zu genehmigen. Wenn Umsatzchancen aber nach geographischem Standort verteilt werden, läuft etwas falsch.

Die Entscheidung des Senats, die Verantwortung für die Ladenöffnungszeiten an die Bezirke abzugeben, war richtig. Entbürokratisierung darf aber in der Praxis nicht Wildwuchs bedeuten. Wer neu einsteigt, kann sich seinen Standort aussuchen. Aber welcher alteingesessene Händler kann riskieren, an einem anderen Standort wieder bei Null anzufangen? Der Einzelhandel kämpft seit Jahren mit sinkenden Umsätzen. Die erfolgreichen Shopping-Nächte zeigen, dass besondere Angebote vom Publikum angenommen werden. Wann Läden öffnen dürfen, darf deshalb nicht vom Parteibuch des Stadtrats abhängen, in den Bezirken müssen gleiche Bedingungen gelten.

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