Berlin : Kurzmeldungen

Ursula Weidenfeld

CONTRA

Eine Stadt wie Berlin braucht keinen einheitlichen Ladenschluss. Und es gibt ihn ja auch nicht: An den Bahnhöfen haben die Läden länger auf, in den Einkaufsstraßen der Bezirke kürzer. Die langen Shopping-Nächte sind richtige Hits geworden. Dass einzelne Bezirke großzügiger sind als andere, ist eine prima Sache. Wer, wenn nicht die Bezirksbürgermeister, kann schon wissen, ob ein Geschäft, das nachts geöffnet ist, die Anwohner stört. Oder ob die Struktur des Bezirks und die dort lebenden Bewohner eher liberale oder eher konservative Öffnungszeiten honorieren. Die Entscheidung ist auf der lokalen Ebene prima aufgehoben – zumal die Bezirke hier auch endlich einmal die Chance haben, in Wettbewerb zueinander zu treten. So könnten ein strukturschwacher Bezirk wie der Wedding oder einer mit reichlich vorhandenen Industriebrachen wie die im Südosten Berlins sich mit liberalen Ladenschlusszeiten um die Ansiedlung von Einzelhandel bewerben. Andere Bezirke dagegen, denen es prima geht oder deren Einwohner ruhebedürftig sind, könnten sich konservative Öffnungszeiten leisten. Und am Ende kämen durch viele Versuche – und sicher auch viele Irrtümer – Einzelhandelsstrukturen und Ladenschlusszeiten heraus, mit denen die Bürger wirklich gut leben könnten. Wahrscheinlich würden die Bezirke insgesamt liberaler, wenn man die Entscheidungsfreiheit nur lang genug bei ihnen lässt. Das wäre kein Wildwuchs, sondern Vielfalt. Und dafür ist Berlin ja bekanntlich berühmt.

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