Berlin : Kurzmeldungen

Annette Kögel

PRO

Zugegeben: Es gibt Öko-Ideale, die unsereins verinnerlicht hat, im täglichen Leben aber nicht immer beherzigen kann. Autofahren ist eben vielfach schnell, bequem und macht meistens auch noch Spaß. Wie kontraproduktiv ist es da, den Menschen ausgerechnet dort Steine in den Weg zu legen, wo sie Umweltschutz bereits im Handumdrehen praktizieren: Für viele Berliner ist es ein fast lieb gewordenes Ritual, Müll getrennt zu entsorgen. Altpapierstapel schluckt die blaue Tonne, Flaschen klirren in die Behälter für Weiß- und Buntglas. Und auch die Plastiktüte mit Verpackungsmüll füllt sich von Tag zu Tag. Von der braunen Tonne aber sollen sich die Berliner nun zwangsweise verabschieden – angeblich ist sie zu unhygienisch und zu teuer.

Doch wäre es ein Armutszeugnis, wenn die Stadt die Kompost-Container in die Tonne kloppte. Die Verwertung von Bioabfall kann wesentlich günstiger sein als Verbrennung oder Deponierung konventionellen Hausmülls. Wenn Teebeutel und Bananenschalen im braunen Klappbehälter landen, spart dies Fracht und Kosten beim Restabfall. Dass alles geht, wenn man nur will, hat Frankfurt vorgemacht: Dort blieben die Müllgebühren auch nach Einführung der Biotonne stabil. Am Main sammelt der durchschnittliche Bürger rund vier Mal so viel Biogut wie der Berliner. Woran das liegt? Vielleicht auch daran, dass die Menschen lernfähig ist. Beraubt man sie aber der Möglichkeit, nachhaltiges Verhalten einzuüben, werden sie auch ihr Umweltbewusstsein irgendwann achtlos verwerfen.

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