Berlin : Kurzmeldungen

Christian van Lessen

CONTRA

Vergammeltes Obst, Eierschalen, Wurst-, Fisch- und Fleischreste, Kaffeesatz samt Filter oder gebrauchte Teebeutel: Nichts wie rein in die Biotonne! Steht sie als Zwischenlager in der Wohnung, ist sie nach kürzester Zeit eine zivilisatorische Zumutung, vor allem in warmen Monaten. Da stinkt’s erbärmlich, was auf kleine Fruchtfliegen himmlich anziehend wirkt. Schütten wir das faulende Teufelszeug in die große Schwestertonne vorm Haus, kommt uns ein noch atemberaubenderer Gestank entgegen, und Scharen weißer Maden lassen grüßen. Igitt, sagen wir mit Brechreiz, schlagen den Deckel schnell wieder zu, auch weil wir in die dunklen Knopfaugen einer Ratte blickten, zwischen den Resten eines Katzenklos und einer Plastiktüte, die allesamt in der braunen Tonne nichts verloren haben. Selbst die BSR, die uns die Tonne einmal schmackhaft machen wollte, will sie nicht mehr, weil die Entsorgung zu teuer ist. Die Kosten stehen offenbar in keinem Verhältnis zum Nutzen, und verdient haben nur die Tonnen-Hersteller, die aber ohnehin bei weitem nicht so viel absetzen konnten wie einmal geplant. „Kommt doch sowieso alles auf die Kippe“, sagen unverbesserliche Mülltrennungskritiker seit Jahren. Wenn sie auch irren, so bleibt die Biotonne ein misslungener Versuch, der aus gegebenem Anlass abgebrochen werden sollte. Dafür müsste die „zivilverträgliche“ Trennung von Hausmüll, Papier und Verpackung wieder einmal richtig propagiert werden – denn das kriegen viele Haushalte immer noch nicht hin.

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