Berlin : Kurzmeldungen

Mal zackig, mal clownesk, mal forte, mal piano: Beim Fest der Militärmusik erklangen nicht nur Märsche. Tausende Zuschauer ließen sich am Wochenende davon begeistern. Swingender Korpsgeist

Heidemarie Mazuhn

In Tansania beginnt gerade der Frühling - mit etwa 30 Grad. Da mag es der Tanzania National Service Brass Band am Wochenende in Berlin recht kalt geworden sein. Ganz sicher aber nicht in der Max-Schmeling-Halle. Dort gehörten die Musiker beim 8. Berliner Militärmusikfest zu den Lieblingen des Publikums, das am Sonnabend die steilen Ränge bis unters Dach füllte. Das Musikkorps aus Daressalam musizierte erstmals außerhalb seiner Landesgrenzen – und das mit so offensichtlicher Lebensfreude und Spaß an der Musik, dass jedem warm ums Herz wurde. Allen voran bewegte sich der Tambourmajor in schneeweißer Uniformjacke samt ebensolcher Gamaschen: fast clownesk-artistisch und tänzerisch-elegant zugleich. Und eine Posaunistin, die sich beim Musizieren auf den Boden legte und dann auch noch um die eigene Achse dreht, hatten die begeisterten Zuschauer wohl auch noch nicht erlebt.

Dabei war der Auftritt des größten Orchesters der Armee Tansanias am Abend nur ein Glanzlicht des fast dreistündigen Musikfestivals. 800 Militärmusiker aus zehn Nationen von drei Kontinenten traten in elf Musikkorps an – nicht kriegerisch gegeneinander, sondern friedlich miteinander. „Ein Spiegel der Geschichte“ nannte Verteidigungsminister Peter Struck in seinen Grußworten die Militärmusik, deren Entwicklung und Wandlung man auch in den Darbietungen des Berliner Musikfestes kennen lerne.

Veranstalter ist der Deutsche Bundeswehrverband unter Vorsitz von Bernhard Gertz. Der Erlös kommt dem Soldatenhilfswerk zugute. Partner des internationalen Festivals ist seit acht Jahren der SFB, der zum ersten Mal live übertrug. „Seien Sie ein Super-Publikum, und machen Sie der Hauptstadt Ehre“, bat Peter Struck anschließend bei der feierlichen Eröffnung mit den Flaggenabordnungen der teilnehmenden Nationen. Der Verteidigungsminister hätte sich die Bitte sparen können – das teilweise sogar mit Reisebussen angereiste Publikum klatschte sich von Auftritt zu Auftritt die Hände wund.

Da swingte und rapte das niederländische „Fanfarekorps Koninklijke Landmacht“, da spielte die V. US Corps Band hinreißend ihren Glenn Miller und ließ dabei die Tuba tanzen. Zwei der Musiker zeigten ein Herz für Berlin – sie spielten in Trikots von Hertha und den Eisbären. Da bewies das historisch kostümierte norwegische Hamar Musikkorps Anno 1812 skurrilen Humor, und die blutjungen Musiker vom Moskauer Militärkonservatorium präsentierten neben höchstem musikalischem Können die ungeahnte Leichtigkeit des russischen Seins. Die Schweden hissten bei ihrem Auftritt nochmals die Landesfahne – und verlassten damit im Publikum drei Militärs und eine Zivilistin zum Aufstehen.

Die „The Lowland Band of the Scottish Division“ war Augenweide und Ohrenschmaus zugleich, auch die deutschen Marinemusiker, die sich zum Segelschiff formierten und musikalisch auf große Fahrt gingen. Mit „Aida“-Klängen und im Pharaonenlook beeindruckten die ägyptischen Militärmusiker, während bei der französischen Marine einer hingebungsvoll „New York“ besang.

Opernreif wurde dann nach drei Stunden das vom Leiter des Militärmusikdienstes der Bundeswehr, Michael Schramm, dirigierte Finale: mit allen Teilnehmern, mit Fackelträgern, mit Musik aus „Lohengrin“ und einem „Harmonisierten Zapfenstreich der Königlichen Hannoverschen leichten Infanterie von 1814“. Natürlich durfte die „Berliner Luft“ nicht fehlen – mit der Verheißung des nächsten Militärmusikfestes. In fast genau einem Jahr am 1. und 2. November findet es wieder statt.

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