Berlin : Kurzmeldungen

Brigitte Grunert

HINTER DEN KULISSEN

Verzückt vom Anblick der wiederaufgebauten historischen Patrizierhäuser spazierte der SPD-Chef und Stadtentwicklungssenator über den Langen Markt in Danzig. Da störte ihn sein klingelndes Handy. Kurz angebunden meldete er sich: „Strieder!“ Der Anrufer aber wunderte sich: „Also das hatte ich jetzt nicht erwartet, Diepgen!“ Peter Strieder fragte seinen ehemaligen Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU), ob er behilflich sein könne. Diepgen deutete aber nur an, wen er suchte: „Mir wurde die Nummer eines Journalisten gegeben.“ Nun sind Politiker beim Stichwort Presse immer hellwach. So war es auch um Strieders Ruhe geschehen. Er grübelte und grübelte, wer wohl in die falsche Spalte seines Adressbüchleins geraten war.

Bekanntlich hängt in der CDU der Haussegen schief. Frank Steffel hat es als Fraktionschef schwer, Christoph Stölzl als Parteichef. An Steffels Stuhl wird, ritscheratsche, kräftig gesägt, aber die mit der Säge sind noch nicht die Mehrheit. Und seinen Mitarbeitern ist Steffels Wort Befehl. Kaum hatte der Fraktionschef sein sehr umstrittenes Thesenpapier zur Zukunft der Großstadtpartei CDU fertig, in dem er unter anderem die „Renaissance der Familie“ verheißt, zogen Fraktionssprecher Michael Thiedemann und dessen Stellvertreter Frank Hufnagel gehorsamst persönliche Konsequenzen. Hufnagel heiratete eine Marketing-Mitarbeiterin von Radio 100,6. Und Thiedemann bestellte das Aufgebot. Auch er hatte seine Lebensgefährtin – das gemeinsame Kind ist schon da – „im Hause Gafron“ kennen gelernt.

Als einziger Fraktionschef bittet Michael Müller (SPD) regelmäßig zu Bürgersprechstunden. Die jüngste annoncierte er neulich. Da meldete sich bei Müllers Büroleiterin Dagmar Fydrich auch eine Frau Margrit Müller an. Wie lange sich denn der Herr pro Bürger Zeit nehme, fragte sie. Antwort: „So etwa eine Viertelstunde.“ Frau Müller war sehr beglückt: „Wunderbar, so viel Zeit hatte mein Sohn lange nicht mehr für mich, kann ich einen Termin für die Sprechstunde haben?“ Die völlig verdatterte Frau Fydrich meinte diplomatisch, sie werde mit dem Chef Rücksprache nehmen. Müller lachte, als er es erfuhr. In seinem übervollen Terminkalender steht nun auch ein Ausflug mit der Mutter zum Abendessen in einem Restaurant.

Michael Cramer von den Grünen wäre gern vom Abgeordnetenhaus in den Bundestag gewechselt. Aber da Christian Ströbele das Direktmandat für die Grünen in Friedrichshain- Kreuzberg holte, kam er mit seinem Listenplatz nicht zum Zuge. Bei einer spannenden Amerika-Reise tröstete er sich. Als einziger Deutscher nahm er an einem US-Austauschprogramm für Europäer über Stadtgestaltung teil: „Wir sollten ein Verkehrs- und Stadtplanungskonzept für 2020 schreiben, für einen Ort bei Philadelphia.“ Na klar, Auto-Gegner Cramer konzipierte mit seinem Team eine Fußgänger-Idylle. Nach zehn Tagen „harter Arbeit mit viel Spaß“ machte ihn das dicke Lob der örtlichen Stadtpolitiker überglücklich. Zu der Einladung war er durch Vorträge über Berliner Verkehrsprobleme gekommen.

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