Berlin : Kurzmeldungen

Ingo Bach

CONTRA

Nein, es geht hier nicht um ein spießiges Schild à la „Ballspielen verboten!“, weil sich lärmempfindliche Nachbarn über die Belästigung beschweren könnten. Und es geht auch nicht so sehr um die Frage, ob der Rasen vor dem Reichstag durch die harte Beanspruchung von Fußballer-Beinen Schaden nehmen könnte – obwohl dies sehr wahrscheinlich ist. Und durch die ständigen Reparaturen an dem geschundenen Grün eine Menge Geld und Arbeitskraft gebunden wären. Und schließlich geht es auch nicht um Sympathie oder Antipathie für die „schönste Nebensache der Welt“, auch wenn Fußball für viele Menschen tatsächlich nur eine Nebensache ist und beileibe nicht die schönste.

Nein, es geht hier nur um eine einzige Frage, nämlich die nach der Demokratie vor dem Stammhaus des deutschen Parlamentarismus. Der grüne Platz am Reichstag sollte Platz für alle bieten, gleich ob sie hier spazieren, spielen, lesen, reden oder einfach nur auf Sitzdecken die Sonne genießen wollen.

Doch Fußball machte dieser Vielfalt ein Ende. Zwei Mannschaften auf der Jagd nach einem Ball und dem gegnerischen Tor brauchen viel Platz. Eine andere Betätigung wäre nicht möglich, es sei denn, die Gefahr störte nicht, einen Ball an den Kopf zu bekommen, überrannt oder niedergebrüllt zu werden. Zugespitzt gesagt wäre es ein Diktat der Fußballer an den Rest des Volkes, sich fern zu halten. Und deshalb darf auf dem Platz vor dem Parlament nur eine Regel gelten: Vieltönigkeit vor (Fußball-)Eintönigkeit.

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