Berlin : Kurzmeldungen

Lothar Heinke

PRO

Was wurde in den letzten 20 Jahren nicht alles für den Platz der Republik geplant, verworfen, neu ausgeschrieben, getan und unterlassen. Geblieben ist stets ein großes Areal mit einem Namen, der Programm war, erst recht nach der Wende und nach dem Umzug in den neuen Reichstag mit der attraktivsten Kuppel der Republik. Und geblieben sind der Wunsch und die Lust, gerade an diesem Ort den Schriftzug „Dem deutschen Volke“ wortwörtlich zu nehmen. Ein Platz als Volkes wahrer Himmel: Von Ernst Reuters Bitte an die Völker der Welt, in schwerer Zeit auf diese Stadt zu schauen, bis zum fröhlichen Begängnis der Republik bei Christos silbern verpacktem Reichstags-Raumschiff – das Betreten des Rasens war gewissermaßen im Interesse der Sache stets erwünscht. Und – im von der Love Parade strapazierten Tiergarten sehen wir’s alle Jahre neu: Die Natur ist so stark wie unbesiegbar, sie rappelt sich immer wieder hoch. Ein paar Freizeitkicker aus umliegenden Bundestagsbüros und anderen Arbeitsstätten richten auf dem neuen, wohlweislich benutzerfreundlich angelegten Grün kaum einen Schaden an. Niemand hat die Absicht, auf dem neuen Rasen ein Fußballspiel zwischen Hertha BSC und dem 1. FC Union zu veranstalten, so ist das ja nicht gemeint. Aber wenn Wolfgang Thierse nichts gegen ein Spielchen hat, dann denkt er an das Bürgerforum, und er sieht die Fotos spielender Mädchen und Jungs vorm Parlament und ahnt, was andere dazu sagen: Nanu? Sie sind locker geworden, diese Deutschen . . .!

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