Berlin : Kurzmeldungen

Brigitte Grunert

HINTER DEN KULISSEN

Seltsam, dass Politiker ständig ihren Spaß an der Politik beteuern, obwohl sie doch immerfort gezwiebelt werden. Das Herz des Parlamentspräsidenten Walter Momper hüpfte tatsächlich, als er auf etwas sehr Interessantes stieß. Es ist zwar nur ein Sitzmöbel, aber ein mittlerweile historisches, und Geschichte ist für Momper immer wichtig. Es ist der Präsidentenstuhl aus dem Plenarsaal im Rathaus Schöneberg. Jahrelang stand der ehrwürdige schwarze Ledersessel mit der hohen steifen Lehne unbeachtet als Besucherstuhl bei Petra Sertcan im Pressereferat des Preußischen Landtages. Momper luchste ihn Frau Sertcan natürlich sofort ab. Auf dem sitzt er nun selbst in seinem Amtszimmer. Der Tausch mit Mompers modernem Amtsstuhl tröstete die Mitarbeiterin nur bedingt. Der historische Stuhl ist derselbe, auf dem in der traurigsten aller Plenarsitzungen am 17. September 1961 Präsident Willy Henneberg tot zusammenbrach, als er eine Protesterklärung zum Mauerbau abgab. Momper und seine Kollegen sind immerhin nicht abergläubisch.

Jetzt geht’s dem Wowi gut, er ist in Hollywood. So witzelten Abgeordnete bei der Plenarsitzung am Donnerstag, Grünen-Fraktionschef Wolfgang Wieland vorneweg. Aber so groß ist die Distanz im Zeitalter der modernen Informationstechnik nicht, dass der Regierende nicht über alles genau Bescheid wüsste. Zwar klappt es mit den Telefongesprächen wegen des Zeitunterschiedes zwischen Los Angeles und Berlin nicht recht, aber es gibt ja Faxgeräte und E-Mails. Senatssprecher Donnermeyer bereitete den Kommunikationsfluss vor der Reise mit Klaus Wowereit gründlich vor. Den Pressespiegel lässt er sich zweifach faxen. Warum? „Wowereit verschwindet damit im Hotelzimmer und rückt ihn nicht wieder heraus“, sinnierte Donnermeyer, der schließlich auch im Bilde sein muss, bevor er spricht.

Matthias Tang, Pressesprecher der Grünen-Fraktion seit 1995, freut sich unbändig auf die liebe Weihnachtszeit. Der Grund: Anfang Dezember darf er sich von seiner Sprecherrolle verabschieden. Tang geht in Vaterschaftsurlaub, neumodisch „Elternzeit“. Um seiner Frau die Habilitierung zu erleichtern, widmet er sich ganz den Söhnen Nelson (drei Jahre) und Gideon (drei Monate). Mit den Kindern ist es so eine Sache. CDU-Fraktionssprecher Michael Thiedemann hat zwar ein Kind, aber die Frau, die er demnächst heiratet, ist nicht die Mutter. Thiedemann musste sich wegen einer Verwechselung mit dem Kind seines Kollegen Frank Hufnagel ganz schreckliche Frotzeleien anhören.

Gar lustig ist der Karneval. Es soll sogar Abgeordnete geben, die diesen rheinischen Import großartig finden. Die FDP-Schulpolitikerin Mieke Senftleben kann es gar nicht abwarten. Pünktlich zu Saisonbeginn stellte sie sich am 11. 11. im Tränenpalast ein und tanzte ausgelassen mit. „Die Schulpolitik macht so viel Sorgen, da braucht man ein bisschen Spaß“, findet die liberale Abgeordnete. So viel zur Totsagung der Spaßgesellschaft.

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