Berlin : Kurzmeldungen

Der King of Pop ist auch ein Meister der Täuschung. Erst taucht im Adlon ein Doppelgänger auf, dann entwischt Michael Jackson unerkannt in Richtung Zoo. Dort können nur die Gorillas einen Blick auf ihn werfen Jagd auf ein Phantom

Tanja Buntrock

Wenigstens die Affen im Zoo bekamen ihn tagsüber zu sehen. Als sie Michael Jackson gestern besuchte, hätten die Gorillas gegen die Scheibe geklopft, erzählte ein Tierpfleger. Und der Popstar habe daraufhin gelacht, sagt er. Das war gut zu sehen, weil Jackson, der im schwarzen Anzug und Hut kam, seinen Mundschutz im Hotel gelassen hatte - wo vielleicht auch besser seine beiden kleinen Kinder geblieben wären. Denn die Fotografen ließen den Jackson-Tross nicht aus dem Sucher - auch am späten Nachmittag nicht: Der Popstar empfing die vierköpfige Familie Wolf aus Meißen in Sachsen, die Opfer der Flutkatastrophe im Sommer geworden war. Er habe ihnen Mut zugesprochen und die ganze Familie in die USA eingeladen. „Wir haben gehofft, einen ganz normalen Menschen zu treffen, und genau so war es“, erzählte Familienvater Heiko Wolf. Er sehe „ganz normal aus und trägt auch kein Pflaster auf der Nase“, fügte seine Frau Susann hinzu. Mit den Kindern zeigte sich Jackson dann noch vor den hunderten Fans am Fenster seiner Suite. Dort, wo er am Dienstag erst Aufsehen erregt hatte, weil er seinen neun Monate alten Sohn mit nur einer Hand aus dem Fenster hielt. Zahlreiche Kinderschutzorganisationen reagierten empört nach dieser Fenster-Aktion und verurteilten den Umgang Jacksons mit seinem Baby. Er entschuldigte sich gestern schriftlich: „Ich habe einen schrecklichen Fehler gemacht.“ Die Fans vor dem Hotel bekamen das nur am Rande mit. „Fuck the press“ riefen sie immer wieder in Richtung Präsidentensuite, und bekundeten gleichzeitig „We love you, Michael.“ Wie sehr die Fans ihren Michael lieben, zeigte sich dann am späten Abend vor dem „Adagio“-Club. Auch hier standen sie wieder. Drinnen sollte Star bei der „Tribute to Bambi“-Party seine 20 Kilo schwere Strass-Jacke zugunsten von Straßenkindern versteigern.

Fans tätscheln, bei Dussmann shoppen, in der „925“-Lounge am Gendarmenmarkt essen – viel Programm für den sonst so scheuen Star. Wenn da nicht mal ein Doppelgänger eingesprungen ist. So wie der, der am Mittwochnachmittag durch die Adlon-Lobby huschte. Allerdings sah er so aus, als würde er auf Privatpartys auftreten: die Haut dunkler – die Nase heiler.

Echt oder nicht echt? Die Veranstalter der Bambi-Verleihung müssen es doch wissen. Schließlich haben die Jackson eingeladen, um den 44-jährigen Sänger, der als „King of Pop“ gilt, am Donnerstagabend für sein Lebenswerk auszuzeichnen. Immer wieder beteuerten die Organisatoren, dass es der „echte Jackson ist“, der hier sei. „Für einen Doppelgänger hätten wir nie so viel Aufwand betrieben.“ Und was macht der echte Herr Jackson bei seinem Berlin-Aufenthalt noch so? „Er würde gerne noch das KaDeWe und das Schloss Sanssouci sehen“, verrieten die Veranstalter. Doch bei Jackson weiß man ja nie. Schließlich hat der vermeintlich echte Star die Fans und Reporter an der Nase herumgeführt. So wie eben am Mittwochnachmittag, als er durch den Hinterausgang entwischte. Die Gorillas im Zoo waren wichtiger.

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