Berlin : Kurzmeldungen

Lars von Törne

PRO

Wie schafft man es, Jugendlichen die Lust an guter Literatur auszutreiben? Indem man sie dazu verdonnert, sich durch die Klassiker von Goethe bis Fontane hindurchzupauken, danach prüft, was hängen geblieben ist und was wohl der Autor damit sagen wollte, und am Schluss eine Note dafür vergibt. So ist Generationen von Schülern – inklusive dem Autor – der Spaß am Lesen ausgetrieben worden, weil sie Literatur in der Schule nicht als spannende, selbst gewählte Reise in phantastische Welten, sondern als trockene Pflichtübung erlebt haben. Wie soll da so etwas wie Lust aufkommen, wenn ich mich mit einer Materie auseinander setzen muss, die nichts mit meinem Leben zu tun zu haben scheint, sondern mir so nahe liegt wie chemische Formeln oder mathematische Berechnungen? Die wiederum haben natürlich eine Menge mit dem echten Leben zu tun, wie ja auch die Literatur. Man muss sie nur so vermitteln, dass auch dem coolen Hip-Hop-Kid in der letzten Reihe klar wird, dass das, was vorne an der Tafel veranstaltet wird, ihm entweder nützt oder Spaß macht. Vor diesem Hintergrund ist es zu begrüßen, wenn die Lehrpläne entstaubt werden. So haben Kinder und Jugendliche die Chance, eine Lese-Mischung serviert zu bekommen, die mehr mit ihrem eigenen Leben zu tun hat und bei der sie, ganz nebenbei, eventuell doch noch an die Klassiker herangeführt werden. Wer nach ein paar Wochen voller „Bravo“-Texte merkt, dass Doktor Sommer doch nicht alle Sinnfragen beantwortet, der liest vielleicht den „Steppenwolf“. Lars von Törne

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