Berlin : Kurzmeldungen

WAS LESER UND LEHRER SAGEN

Groß ist die Resonanz der Leser auf unsere Serie „Stark gemacht“. Seit Wochen erreichen uns Hinweise zu initiativreichen Schulen. Wir können nicht alle Empfehlungen berücksichtigen, drucken aber hier auszugsweise einige der Leserbriefe ab, weil sie interessante Informationen zu weiteren „stark gemachten“ Schulen enthalten.

Zunächst danke ich Ihnen dafür, dass Sie in Ihrer Zeitung nicht nur berechtigte (und aus meiner Sicht zum Teil auch unberechtigte) Kritik am Schulwesen und an Lehrerinnen und Lehrern üben, sondern jetzt bewusst positive Beispiele für erfolgreiche Schulmodelle darstellen. Ich wende mich als Rektor an Sie, um Ihnen zu berichten, dass an unserer Schule Lehrerinnen und Lehrer bereit sind, Reformen zu ergreifen und sehr viel dafür tun, dass der Lernerfolg der Kinder gestärkt wird. Die Kinder nichtdeutscher Herkunftssprache, die bei der Einschulungsuntersuchung große Lücken im Gebrauch der deutschen Srpache offenbaren, werden in der Hunsrück-Grundschule in Kleinklassen mit höchstens 15 Kindern untergebracht, in denen sie unter Anleitung erfahrener Lehrerinnen und Lehrer besonders intensiv die deutsche Sprache erlernen. Zu unseren Angeboten zählen außerdem: eine Wochenstunde Psychomotorik für alle Kinder der 1. bis 4. Klassen; Arbeitsgemeinschaften in den Mittags- und frühen Nachmittagsstunden auch für die Erstklässler; Medienecken in jedem Klassenraum, die mit modernen Personalcomputern, Scannern und Druckern ausgestattet sind. Aktuelle und sinnvolle Lernsoftware kommt dort auch zum Einsatz. Nicht zuletzt können die Kinder bei uns in der Schule im Laufe der Jahre das Internet-Seepferdchen erwerben.

M. Dobe, Schulleiter der Hunsrück-Grundschule Berlin-Kreuzberg

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Für Ihre Serie möchte ich auf die besondere pädagogische Arbeit an der Dunant-Grundschule in Steglitz hinweisen. Seit vier Jahren nehmen wir teil an dem Projekt „Verlässliche Halbtagsgrundschule“ und betreuen die Schüler auch nachmittags. Seit einem Jahr arbeiten wir im Rahmen des von der EU-Kommission geförderten Comenius-Projekts mit Partnerschulen in Italien, Island und Lettland zusammen. Wir haben drei zusätzliche Stellen für eine Schulstation mit zwei Sozialpädagogen und einer Erzieherin. Weitere Besonderheiten: Eine Unterrichtsstunde dauert bei uns nur 40 Minuten, die „gewonnene“ Zeit wird zur Unterrichtsverdichtung für Teilungs- und Förderunterricht genutzt. In der zweiten Klasse wird das Radfahren in den Unterricht eingebunden. Ab der vierten Klasse erteilen wir computergestützten Unterricht. Die Schule verfügt über ein eigenständiges Schulnetz mit übe 45 Computern. Überregionale Beachtung findet die Dunant-Grundschule im Internet. So wurden wir im Februar 2000 zur Schule des Monats und im September 2000 zur Grundschule des Monats ausgezeichnet.

K.-H. Kaufhold, Schulleiter, Berlin-Steglitz

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Wir verfolgen mit Interesse Ihre Serie „Stark gemacht“. Auch wir in der Ludwig-Cauer-Grundschule in Charlottenburg haben uns schon seit langem Gedanken gemacht, wie wir unsere Schülerschaft noch besser fit für die Zukunft machen können, ohne auf staatliche Hilfe zu warten. Wir sind der Meinung, dass in erster Linie eine emotionale Grundlage für das Lernen bei den Kindern vorhanden sein muss. Wir wollen, dass die Kinder sich wohlfühlen in ihrer Schule. Dann ist die Bereitschaft zu lernen besser.

Deshalb betreiben wir eine Cafeteria für Eltern und Schüler (geleitet von Eltern), haben eine Schulstation für problembeladene Kinder mit Unterstützung des Fördervereins der Schule. Deshalb engagieren sich die Eltern in Arbeitsgemeinschaften (Tanz, Theater). Deshalb haben sich acht Mütter zu Mediatoren ausbilden lassen. Sie beginnen demnächst mit ihrer Arbeit an der Schule.

Deshalb stützen wir das Selbstbewusstsein unserer türkischen Kinder, indem wir ihnen Türkisch-Unterricht durch das Türkische Generalkonsulat erteilen lassen. Deshalb bieten wir den Müttern nicht-deutscher Herkunftssprache am Vormittag durch die Volkshochschule an, Deutsch zu lernen. Deshalb integrieren wir seit acht Jahren behinderte Kinder. Deshalb haben wir außerschulische Träger in der Schule: Die Schüler haben Gelegenheit an Kursen der Firma „Computer Bildung Berlin" teilzunehmen. Wir arbeiten zusammen mit einer Qualifizierungsgesellschaft, die den Kindern Spaß mit Elektronik vermittelt, bastelt und kleine elektrische Geräte herstellt. 32 Nationen lernen an unserer Schule. Wir machen sie fit für Europa.

Kammerer, Schulleiter,

Berlin-Charlottenburg

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Unsere Tochter geht auf das Händel-Gymnasium in Friedrichshain. Das ist eine musikbetonte, außergewöhnliche Schule. Neben dem normalen Unterricht ist jeder Schüler Mitglied eines der vielen Ensembles der Schule. Es gibt die unterschiedlichsten Chöre und Orchester, je nach Altersstufe und künstlerischem Niveau. Das hervorragendste Ensemble der Schule ist der Chor „Die Primaner“, der in diesem Jahr beim Deutschen Chorwettbewerb einen Preis gewann. Im Oktober reiste der Chor nach Südkorea zum weltweit größten Chorwettbewerb.

Hanne und Daniel Minetti,

Berlin-Prenzlauer Berg

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Die Carl-Kraemer-Grundschule ist eine Schule im sozialen Brennpunkt im Wedding, im Soldiner Kiez. 85 Prozent unserer Schülerinnen und Schüler sind Kinder nichtdeutscher Herkunft. In dem Kiez sind viele arbeitslos und und sozial verelendet. Bildungsbewusste Familien verlassen den Kiez. Die Schule wollte nicht länger den Problemen beim Wachsen zusehen und hat sich aufgemacht, neue Wege zu gehen. Wir haben uns allen Initiativen hier im Kiez geöffnet, eine enge Vernetzung, vor allem mit Quartiersmanagern, hat stattgefunden.

An erster Stelle unseres Schulkonzeptes steht die Sprachförderung, die sich wie ein roter Faden durch das Schulleben zieht. Ein weiterer Schwerpunkt liegt im künstlerischen und medialen Bereich. Wir beteiligen uns an dem Projekt der Bund-Länder-Kommission „Kulturelle Bildung im Medienzeitalter“. Außerdem betreuen ehrenamtliche Mitarbeiter nachmittags die Hausaufgaben und bieten Arbeitsgemeinschaften im Kunst-, Musik-, Computer- und Sportbereich an. Selbstverständlich arbeiten wir dabei eng mit Künstlern aus dem Kiez zusammen.

C. Frank-Schild, Schulleiterin,

Berlin-Wedding

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