Berlin : Kurzmeldungen

Frank Jansen

THEKENTANZ

Supernova, Mulackstraße 29, Mitte, Tel.: 29 09 29 09, täglich geöffnet ab 18 Uhr.

Berlin hat es gern ein bisschen großzügig. Nicht nur die Neubauten für Kanzler und Abgeordnete sind recht hallig geraten, auch bei Bars und Lounges war in den letzten Jahren eine Eskalation ins Saalhafte zu beobachten. Wo bleibt da das kleine, intime Fünf-Pärchen-Lokal, mit zartem Sound und adretten Drinks? Das Internet schien eine Antwort zu geben. Eine Schänke namens „Supernova“ preist sich selbst als versteckt liegenden „Himmelskörper“, der ganz auf den „Wohlfühl-Faktor“ ausgerichtet sei.

Auch wenn „Supernova“ eher an die unwirtlichen Weiten des Weltraums denken lässt und der Hinweis, „Klaus Wowereit gab sich die Ehre und besuchte die Bar“ die Kumpanei mit den Mächtigen des Planeten suggeriert, entschloss sich das drinking couple trotzdem zu einem Besuch.

Dieses Lokal ist wirklich sehr klein. Vor den Tresen passen nur vier rote Rundsitzhocker, rechts reihen sich drei Quadrattischchen aneinander. Hinten gibt es noch einen hellen Raum mit drei braunen Ledersofas Marke Möbelabholmarkt. Hier sollen die Gäste „chillen“ können. Compañera und drinking man blieben lieber vorn.

Die drei Tische werden von einer längeren, breit gerippten Ledersitzbank in Form eines langen C eingefasst. Die Beleuchtung ist angenehm rötlich-gelb, die Wände schimmern orange. Aus den Boxen klang eine Art Jazzparodie. Der Begriff „Wohlfühl-Faktor“ ist erstmal nicht verkehrt. Die freundlich berlinernde Servierdame brachte die Karte, in der statt der im Internet angekündigten „über 80 Cocktails“ nur sieben und elf Longdrinks aufgeschrieben sind. Macht aber nichts. Wenn hier alles kleinkuschelig ist, warum soll dann nicht auch die Karte entsprechend ausfallen.

Leider schien auch der Keeper nur über entsprechend reduzierte Rühr- und Schüttelkünste zu verfügen. Der Mojito kam wässrig, der Mai Tai flau und nicht gerade geschmacksecht an den Tisch. Das zur Stärkung genossene Chili con Carne hingegen, einzig offeriertes Gericht statt der annoncierten „Suppen und Baguettes“, war dagegen angenehm kräftig.

Das Konzept ist trotzdem richtig (ohne die Ledersofas). Es gibt viel zu wenig kleine Bars, in denen drei, vier Paare ohne größeren Krach einfach plaudernd entspannen können. Vielleicht braucht die erst im September angedimmte Supernova noch etwas Zeit. Auch ein Wohlfühl-Faktor braucht Hege und Pflege.

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