Berlin : Kurzmeldungen

Brigitte Grunert

HINTER DEN KULISSEN

Zwei streng bewachte Zufahrten zum Hof hat das Abgeordnetenhaus. Das hat seinen guten Grund, denn an jenem sicherheitsempfindlichen Hof liegen auch Bundesrat und Bundesfinanzministerium. Dennoch soll es vorkommen, dass manche durch die Maschen der Sicherheit schlüpfen. Eine alte Dame, die sich neulich auf der Zuschauertribüne die Debatten der Parlamentssitzung anhören wollte, wurde mit ihrem Begleiter am Steuer anstandslos durchgewinkt. Die temperamentvolle Achtzigjährige erzählte SPD-Fraktionschef Michael Müller von dem mühelos ergatterten bequemen Parkplatz. Der aber bekam einen Schreck, denn die Parkplätze auf dem Hof sind nur für Abgeordnete und Bedienstete mit Spezialausweis zugänglich; selbst die Fahrer der Parlamentsspitzen müssen sich ausweisen. Doch die Frau war keine Gefahr – Müller weiß es genau, denn sie ist seine Großmutter. Margot Schwander heißt sie und gehört zum Kreuzberger CDU-Urgestein. Doch Müller ging es ums Prinzip. Er ließ den Vorgang nicht auf sich beruhen, sondern alarmierte die Parlamentsverwaltung: wegen mangelnder Wachsamkeit des Ordnungsdienstes. Der Wächter vom Dienst des fraglichen Tages wurde ins Gebet genommen. Er meinte nur, er kenne doch Müllers Großmutter; angeblich „aus dem Fernsehen“. Mit einem freundlichen Rüffel wurde er belehrt, dass weder TV-Prominenz zum Parken auf dem Hof berechtige, noch es einen „Oma-Bonus“ gebe.

Wie leicht man die Politik lahm legen kann! Bei Christoph Lang, dem Pressesprecher von Wirtschaftssenator Harald Wolf (PDS), klingelte pausenlos das Telefon. Tagelang gingen zusätzlich rund 150 Anrufe ein. Es waren Mieter der landeseigenen Wohnungsbaugesellschaft GSW, die ihre Wohnungen kaufen wollten. Unbekannte „Spaßguerillas“ hatten sich einen enervierenden Scherz erlaubt. Sie hatten Mietern auf dem Briefbogen der GSW geschrieben, die Gesellschaft müsse wegen der Haushaltsnotlage des Senats die Wohnungen verkaufen. Die Mieter könnten zum Spottpreis von 4999 Euro zugreifen – pro Wohnung –, andernfalls werde an einen Großinvestor verkauft. Die Mieter mögen sich an „Herrn Wolf“ wenden; folgte die Telefonnummer der Pressestelle des Senators. Oder an „Herrn Dr. Wirries“ (GSW-Chef). Im Vorstandsbüro der GSW war man ebenso genervt von den vielen zeitraubenden Anrufen auf die falschen Briefe.

Überstunden einlegen müssen auch Senatssprecher Michael Donnermeyer und sein Stellvertreter Günter Kolodziej. Denn der Regierende Klaus Wowereit sucht einen Redenschreiber, die Stelle wurde ausgeschrieben, ach ja, und Rundfunksender brachten es unter die Leute. Nun sichten Donnermeyer und Kolodziej weit mehr als 400 Bewerbungen hoffnungsvoller Job-Sucher, lauter Jung-Akademiker. Aber nur einer kann gewinnen. Findet Kolodziej ziemlich anstrengend, so viele Wünsche und Hoffnungen zu enttäuschen.

Irgendwie kam das Gerücht auf, dass sich der Grünen-Fraktionschef Wolfgang Wieland als Bundesvorsitzender der Partei zur Verfügung stellte, wenn der Parteitag in Hannover Fritz Kuhn und Claudia Roth nicht mehr in ihren Doppelrollen als Parteichefs und Bundestagsabgeordnete sehen will. Wieland kann sich gar nicht erklären, wie sein Name ins Gespräch kam; er denkt nicht an den Aufstieg zur Bundesspitze. Nun wählte er die rabiateste Form des Dementis: Er fährt gar nicht erst zum Bundesparteitag, was er eigentlich vorhatte. Er habe keine Lust auf Schaulauf und Frotzeleien, ließ er wissen.

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