Berlin : Kurzmeldungen

Brigitte Grunert

CONTRA

Die Grünen machten schon immer gern mit sonderbaren Ideen von sich reden. Man kann unmöglich alles ernst nehmen, was sie uns erzählen. Kaum waren sie vor zwei Jahrzehnten als Alternative Liste auf der Berliner politischen Bühne erschienen, propagierten sie die „autofreie Stadt“. Was haben wir damals gelacht! Später wollten sie uns den Liter Benzin für fünf Mark verkaufen. Das war nicht mehr ganz so komisch, ist aber auch nichts draus geworden, natürlich nicht. Jetzt fiel ihnen zur Linderung der Finanznot ein, dass die Touristen zwei Euro Berlin-Eintritt pro Tag zahlen sollen. Ach nee, uns fällt dazu nur noch der Osten ein, der früher bei den West-Besuchern tüchtig abkassierte. Und wir dachten, die Mauerzeiten seien schon nicht mehr wahr. Ganz sicher wollen die Grünen nicht von der DDR siegen lernen. Sie haben nur ab und zu Einfälle wie ein altes Haus – typischer Rückfall in die Kinderjahre. Doch im Ernst: Eine Kurtaxe oder Touristenabgabe oder Kulturabgabe – egal, wie man es nennt – wäre das Gegenteil von Werbung für die Stadt und den lahmenden Tourismus. Abzockerei ist kein Willkommensgruß, sondern verschreckt Besucher, die Geld in der Stadt lassen, in Hotels, Restaurants, Geschäften, Theatern, Opern, Konzerten, Museen. Geld, das auch Steuern bringt. Gewiss muss Not erfinderisch machen, aber doch mit Sinn und Verstand. Eine ungastliche „Pleite-Taxe“ wäre bloß ein politisches Armutszeugnis. Vergessen wir also fix diesen krausen Geistesblitz.

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