Berlin : Kurzmeldungen

Brigitte Grunert

HINTER DEN KULISSEN

Bevor der Regierende Bürgermeister am Dienstag nach der Senatssitzung den israelischen Staatspräsidenten Moshe Katzav in seinem Amtszimmer empfing, nahmen die Sicherheitswächter jeden Winkel unter die Lupe, die höchste Sicherheitsstufe musste sein. Ihr Misstrauen erregte ein einsam vor dem Wowereit-Büro hängender Mantel. Die Durchsuchung ergab zwar nichts Gefährliches, aber auch keinen Hinweis auf den Besitzer. Die Wächter waren froh, als der Finanzsenator auf der Bildfläche erschien. Thilo Sarrazin erklärte ihnen, warum sie nichts finden konnten: „Sie wissen doch, meine Taschen sind immer leer.“

Ein protokollarischer Empfang muss nicht steif sein. Klaus Wowereit erklärte dem israelischen Gast die Berliner Nöte anhand seines Adventskranzes. Es ist ein „Sparkranz“, bestückt mit Münzen, die sich zu 56 Euro summieren. Auch Katzav zeigte Humor. Er zückte sein Portmonee und steckte eine israelische Münze drauf. Und dann störte mitten in der Zeremonie der Eintragung in das Goldene Buch das Handy irgendeines Empfangsgastes, laut und melodiös. Der Besitzer fand es nicht gleich, das Handy klingelte und klingelte. Katzav unterbrach sich in seiner Ansprache: „Gehen Sie ruhig ran. Und bestellen Sie einen schönen Gruß von mir.“

Heiterkeit löste im Untersuchungsausschuss in Sachen Bankgesellschaft ein Brief von Hans Kremendahl (SPD) aus Wuppertal aus. Der gewesene Oberbürgermeister war für den 20. Dezember als Zeuge geladen; er war zur Gründungszeit der Bankgesellschaft Staatssekretär beim Wirtschaftssenator. Kremendahl sagte ab. Begründung: „Am 19. 12. geht der zur Zeit laufende Wuppertaler Parteispendenprozess mit der Urteilsverkündung zu Ende. Es ist auch damit zu rechnen, dass ich infolge des Verfahrensausganges am 20. 12. in Wuppertal nicht abkömmlich bin.“ Kommentar der Grünen Barbara Österheld: „Wähnt der sich schon mit einem Bein im Gefängnis?“

Fein aus dem Schneider war der PDS-Kulturpolitiker Wolfgang Brauer. Er hatte der Kulturausschuss-Vorsitzenden Alice Ströver (Grüne) seine Karte für die Premierenfeier des Staatsopernballetts „Die Bajadere“ überlassen. Ach herrje! Ausgerechnet Frau Ströver als Oppositionsabgeordnete bekam den geballten Unmut für die Sparpolitik in Sachen Kultur ab. Schon die Bühnentechniker bezichtigten sie des geplanten Theatermordes. Brauer beteuerte, er habe ihr die Premierenfeier nicht in böser Absicht gegönnt.

Pädagogische Fähigkeiten zeigt SPD-Fraktionschef Michael Müller. Er dachte sich etwas bei dem Handstaubsauger, mit dem er seinem Fraktionsgeschäftsführer Christian Gaebler zum 38. Geburtstag gratulierte. Dienstags hat Gaebler seinen härtesten Tag. Da eilt er von Sitzung zu Sitzung, Essenspausen unmöglich. Dafür knabbert er überall seine Kekse und Salzstangen und Schokoriegel. Die Spuren sind danach, obwohl Gaebler sonst alles sehr genau nimmt. Müller überreichte seinem um einen Tag älteren „Krümelmonster“ den Handstaubsauger mit der Auflage, die „Endreinigung“ zu besorgen.

Nun steigen überall die Weihnachtsfeiern. Die FDP-Fraktion empfing sogar den Weihnachtsmann, der offenbar alle 14 Liberalen gut kennt, denn er hatte für jeden die passende Gabe im Sack. So bekam Kommunistenfeind Axel Hahn ein Buch über Rosa Luxemburg, der unpünktliche Martin Matz einen Wecker und der nicht uneitle Fraktionschef Martin Lindner ein Einstecktuch für seine Sammlung. Nur zwei Frauen sind unter den Liberalen, aber der couragierte Weihnachtsmann war eine Sie: Kollegin Mieke Senftleben.

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