Berlin : Kurzmeldungen

Sigrid Kneist

PRO

Streiks im Öffentlichen Dienst rufen beinahe zwangsläufig diese Frage hervor: Kann man den Gewerkschaften nicht verbieten, das öffentliche Leben lahmzulegen? Die Antwort darauf ist ganz einfach: Nein. Wie in jeder anderen Tarifauseinandersetzung haben auch hier die Arbeitnehmerorganisation das Recht, Arbeitskampfmaßnahmen zur Untermauerung ihrer Forderungen zu ergreifen. Das gilt selbst dann, wenn die Kassen der Kommunen, Länder und des Bundes so leer sind wie derzeit und man angesichts dieser Finanzlage die gewerkschaftlichen Forderungen für überzogen hät. Sicher ist es für den Einzelnen ärgerlich, wenn man im Berufsverkehr eine Stunde im Stau steht, weil wegen eines Warnstreiks und der dazugehörigen Kundgebung die eine oder andere Kreuzung in der Innenstadt blockiert wird, und so manches Amt erst später öffnet. Das alles verkraftet unser Gemeinwesen. Zumal die Gewerkschaften einigermaßen zögerlich zur Sache gehen. Auf einen Donnerschlag, beispielsweise Busse und Bahnen in den frühen Morgenstunden zu bestreiken, verzichten sie anscheinend wohlweislich.

Selbst wenn in dieser Tarifrunde aus Warnstreiks noch ein richtiger Arbeitskampf werden sollte, wird das die Stadt nicht ins Chaos stürzen und über Gebühr belasten. Die Erfahrungen mit Streiks aus den letzten zehn Jahren zeigen, dass die Bürger einige Zeit ohne größere Probleme mit Einschränkungen öffentlicher Dienstleistungen leben können. Insfern ist einfach ein wenig mehr Gelassenheit angesagt.

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