Berlin : Kurzmeldungen

Sabine Beikler

HINTER DEN KULISSEN

Als man vor einem Jahr die Berliner Landespolitiker nach ihren Weihnachtsplänen gefragt hat, gaben sie sehr unwirsche Antworten wie „Was, Weihnachten? Fällt aus.“ Damals steckten SPD und PDS noch mitten in den rot-roten Koalitionsverhandlungen. In diesem Jahr gehen Senatoren, Fraktionsspitzen und auch der Regierende Bürgermeister viel entspannter in die Weihnachtszeit – trotz aller Probleme der Stadt. PDS-Wirtschaftssenator Harald Wolf hat sich schon verabschiedet: Er macht mit seiner Lebensgefährtin zwei Wochen Urlaub auf den Kanaren. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) dagegen bleibt in Berlin und bekocht Freund und Familie: Wild und Ente stehen auf seinem Speiseplan. SPD-Stadtentwicklungssenator Peter Strieder zieht Gans nach einem Spezialrezept vor. Außer kochen will der Stadtentwicklungssenator in seinem Ferienhaus in Neuruppin lesen und joggen. SPD-Innensenator Ehrhart Körting verbringt Weihnachten mit seiner Familie in seinem Wohnort Potsdam und will am ersten Weihnachtsfeiertag seine Kochkünste – er liebäugelt mit Truthahn – ausleben. SPD-Bildungssenator Klaus Böger bleibt ebenso wie SPD-Finanzsenator Thilo Sarrazin Weihnachten mit der Familie in Berlin. Die Wege von PDS-Gesundheitssenatorin Heidi Knake-Werner und ihrem Parteifreund, Kultursenator Thomas Flierl, trennen sich – freilich, nur rein geographisch. Flierl fährt mit seiner Familie an den Bodden. Dort will er Wild kochen und sich in Gedanken intensiv mit den Berliner Opern beschäftigen. Heidi Knake-Werner verbringt Weihnachten bei einem Familienmitglied in süddeutschen Gefilden. Bleibt noch SPD-Justizsenatorin Karin Schubert. Sie nimmt am weitesten Reißaus und reist mit der Familie nach Brasilien. Vielleicht liegt’s an dem Streit-Dauerbrenner mit Generalstaatsanwalt Hansjürgen Karge. Trotz Weihnachten ist ein friedliches Ende noch lange nicht in Sicht.

Der Fraktionschor der Grünen hat einen legendären Ruf: Er ist tontreffend und textsicher. Auf der Weihnachtsfeier der Fraktion trug die grüne Gesangsvereinigung ihre neuesten Kompositionen vor. Zum Beispiel den Abba-Hit „Money, Money, Money“ – mit diesem Text: „Wir ackern früh, wir ackern spät, trotz viel mehr Mühen sinkt der Lohn. Dank Rot-Grün. Und alles was mir Schröder lässt, darauf legt seine Pfoten schon Sarrazin. In seinem Wahn hat er ’nen Plan. An zwei Milliarden will er ran. Das Urlaubs- und das Weihnachtsgeld sind bald nicht mehr von dieser Welt. Money, money, money, nix mit funny, in der armen Stadt.“ Offenbar hat der Chor sein Faible für Berlins Finanzsenator entdeckt. „Der riecht gut, riecht der gu-ut, trotz Schweiß und Tränen und Blut, u-uh. Seht den Mann für Berlin, Kommissar Sarrazin“, hat der Chor auf die Melodie eines weiteren Abba-Hits, „Dancing Queen“, getextet. Bei so viel Hommage wartet der Chor jetzt auf eine Einladung des Finanzsenators.

Die FDP-Fraktion hatte eine schneidige Idee. Weil sie kein gutes Haar am Ladenschluss lassen wollte, luden die Liberalen zum Fototermin in einen Friseurladen. Eine halbe Stunde vorher lockerte Bundeskanzler Gerhard Schröder die Ladenschlussbestimmungen. Der Termin wurde abgesagt. Derweil entsponn sich zwischen den Pressesprechern der SPD- und FDP-Fraktion ein merkwürdiger Mail-Dialog. „Liebe Kollegen“, schrieb FDP-Sprecherin Christina Vardakis an ihre SPD-Kollegen Peter Stadtmüller und Thorsten Metter, „gerne vermitteln wir Termine bei jenem Friseur. Dort schneidet man auch gerne alte Zöpfe ab oder hilft, den lästigen Filz zu beseitigen . . .“ SPD-Antwort nach der Terminabsage: „Wir sind sehr betrübt. Wir haben alle anderen Termine abgesagt. Wir wollten Zeuge sein. Einmal so richtig Kopfwaschen bei Dr. Lindner außerhalb des Plenums. Und jetzt die Absage.“ Martin Lindner ist der FDP-Fraktionschef und wäscht gern Köpfe. Bisher war das nur verbal so, aber die Sozialdemokraten wollten die praktische Gelegenheit gerne mal am Schopf packen.

Bei runden Geburtstagen mutieren Menschen manchmal zu sehr eigenartigen Wesen. So lud SPD-Pressesprecher Peter Stadtmüller nicht zur Feier seines 60. Geburtstags ein, sondern zum „zehnjährigen Jubiläum meines 50.“ Und gekommen waren alle vier Fraktionschefs, die Peter Stadtmüller seit seinem Amtsantritt 1989 miterlebt hat: Ditmar Staffelt, Klaus Böger, Klaus Wowereit und jetzt Michael Müller. Der SPD-Pressesprecher genoss den Abend sehr. Er beginnt jetzt mit 60 die ersten Bilanzen zu ziehen. Die größte Leistung? „Wowereit zum Regierenden Bürgermeister gemacht zu haben.“ Sein persönliches Fazit? „Bei Michael Müller wird am meisten gelacht.“ Nur beim Ausblick hält sich Peter Stadtmüller zurück. Dabei wäre der wirklich einfach zu formulieren: Wowereit als Regierenden Bürgermeister zu halten, oder?

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