Berlin : Kurzmeldungen

Jörn Hasselmann

Über 500 Brände hielten die Feuerwehr in der Silvesternacht in Atem, das sind 42 Prozent mehr als im Vorjahr. „Die Steigerung ist überraschend und nicht erklärlich“, sagte Landesbranddirektor Broemme. Wegen der vielen Verletzten und mehrerer Brände auf Balkonen und in Wohnungen schlägt die Feuerwehr Verbote vor: „Wir müssen prüfen, ob jeder überall so hemmungslos ballern und zündeln darf“, sagte Broemme dem Tagesspiegel.

In der Schöneberger Frobenstraße entzündete ein Böller einen mit Feuerwerk randvoll gefüllten Rucksack, der regelrecht explodierte. Neun Menschen, darunter mehrere Kinder, wurden in dem engen Innenhof zum Teil schwer verletzt. „Dass muss ein Horrorerlebnis gewesen sein“, sagte Broemme, denn den Feiernden war der Fluchtweg versperrt. In Bezirken wie Wedding und Neukölln seien Passanten auf der Straße doch nur noch „Freiwild auf zwei Beinen“ – gejagt mit Krachern und Heulern.

Auch deshalb sei zu überlegen, ob Berlin privates Feuerwerk in Zukunft verbietet, sagte Broemme. Sylt sei ein Beispiel, aber auch in Kanada gelte ein Verbot. Fraglich sei jedoch, ob so eine harte Linie in Berlin durchsetzbar wäre – und ob sie nur den illegalen Böllerkauf in Polen anheizen würde. „Man könnte den Verkauf auch über den Preis verringern“, schlug Broemme vor. In anderen deutschen Städten hat es nicht mehr gebrannt als in den Vorjahren – „offensichtlich ist das also ein Berliner Problem“, sagte der Feuerwehrchef. Trotz der Wirtschaftskrise „wurde geballert wie eh und je“. Das bestätigt Nils Busch-Petersen, der Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes. Überall seien die Umsätze zurückgegangen, nur Pyrotechnik sei mehr verkauft worden. „Erstaunlich – die Leute wollten sich den Frust wegballern“, vermutet Busch-Petersen.

Störungsfrei und harmonisch verlief die große Silvesterparty am Brandenburger Tor. Mehrere hunderttausend Menschen feierten in Eiseskälte: Wie bisher durfte dort private Pyrotechnik nicht gezündet werden, erlaubt war das nur an Abbrennplätzen. „Diese Großveranstaltungen sind sehr sicher“, lobt der Feuerwehrchef. „Hunderttausende sind dort, und es passiert nichts.“ Broemme sieht in organisierten Großfeuerwerken und in überwachten Abbrennplätzen die beste Alternative zum privaten Zündeln – das sich zum Ärger der Feuerwehr über Tage hinzieht.

Alles über die Brände: Seite 14

0 Kommentare

Neuester Kommentar