Berlin : Kurzmeldungen

Jörn Hasselmann

PRO

Abgerissene Finger, zerstörte Telefonzellen, beschossene Feuerwehrautos, ausgebrannte Wohnungen – die Bilanz einer Silvesternacht. Garniert werden die 507 Brände und 564 Verletzten von einem Schuttberg aus Böller- und Raketenresten, den die Stadtreinigung jetzt mühselig von der Straße kratzen muss. Berlin feiert nicht mehr friedlich Silvester, Berlin übt Straßenkampf. Horden von Betrunkenen und Jugendlichen bringen mutwillig und offensichtlich auch böswillig Unbeteiligte in Gefahr. Privates Feuerwerk gehört verboten, also nicht nur die illegalen Polenböller, die mittlerweile die Sprengkraft von Handgranaten haben. Der Schaden ist zu groß. Es nutzt nichts, dass die Raketen und Böller ein Prüfzeichen einer deutschen Behörde tragen. Denn die Beamten gehen bei der Zulassung von einer Illusion aus: Dass Erwachsene nüchtern die Bedienungsanleitung eines Krachers studieren und dann in den erlaubten 13 Stunden der Silvesternacht anzünden, ohne dass Hund und Mensch in der Nähe stehen. So ist es aber nicht; es wird ab dem 2. Weihnachtstag aus allen Rohren gefeuert und geböllert, Erwachsene versorgen selbst kleine Kinder mit großen Kanonenschlägen. Ob dem Hund das Trommelfell platzt oder dem Nachbarn die Winterjacke versengt wird – egal, Hauptsache es knallt. Und die Polizei guckt weg. Dabei haben wir die Alternative seit Jahren gratis: ein zentrales Feuerwerk in der Innenstadt, viel größer und schöner als mit privater Pyrotechnik. Das muss reichen, andere Länder machen es uns vor.

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