Berlin : Kurzmeldungen

Alice Ströver

CONTRA

Mit einem Museum, das den Namen Flick trägt, wird in der deutschen Hauptstadt die Rehabilitierung des Namens Flick stellvertretend für die Rolle der Großindustrie in der Nazizeit in Kauf genommen. Und das im Handstreichverfahren, ohne öffentliche Debatte. Der Regierende Bürgermeister sonnt sich im Glanz eines scheinbar großen Coups. Nach der Devise: Hauptsache, wir holen mehr Kunstsammlungen privater Mäzene nach Berlin. Dabei aber darf die Stadt die Herkunft der Sammlung nicht ignorieren.

So aber läuft es mit der Flick-Collection: Ein bekannter Sammler, der seine Sammlung gern in der Öffentlichkeit präsentiert sähe, und Berlin greift in Raffzahn-Manier zu. Dass ein großer Teil des Geldes, mit dem die Sammlung erworben wurde, aus dem Einsatz tausender Zwangsarbeiter in Nazi-Deutschland in den Rüstungsfabriken des Großvaters stammt, scheint in der ehemaligen Hauptstadt der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft nicht von Bedeutung. Was dazu wohl die Überlebenden denken, die in der Rüstungsproduktion der Flick-Firma Dynamit Nobel für dieses Vermögen geschuftet haben? Friedrich Christian Flick tut sich keinen Gefallen, wenn er bei diesem unwürdigen Vorgang mitmacht. Den Ballast der eigenen Familiengeschichte wird er so nicht abwerfen können. Er sollte sich auch in Berlin seiner historischen Verantwortung stellen. Es wäre das Mindeste, in der geplanten Ausstellung diesen Zusammenhang zu dokumentieren. Sonst sollte Berlin lieber darauf verzichten.

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