Berlin : Kurzmeldungen

Klaus Wowereit

PRO

Man darf eine solche Sammlung nicht nur annehmen, man sollte sogar. Ich freue mich, dass die Flick-Collection demnächst in Berlin zu sehen ist, und das nicht nur, weil sich der Regierende Bürgermeister über einen Gewinn für die Museumslandschaft der Stadt freuen muss, sondern auch, weil es genau diese Sammlung moderner Kunst ist, in der viel Auseinandersetzung mit dem 20. Jahrhundert enthalten ist.

Durch die jetzt hergestellte Öffentlichkeit kann dieser Prozess produktiv gemacht werden. Viel produktiver wahrscheinlich als eine durchaus berechtigte, aber letztlich doch unbefriedigende Diskussion über den Sammler, bei der die Kunst in den Depots bleiben soll. Ich halte es für einen Fortschritt, wenn die durch eine eher formale Political Correctness hergestellte Verknüpfung der gesammelten Kunst mit der Geschichte des Sammlers inhaltlich aufgehoben werden kann. Es gibt eine kritische Öffentlichkeit, die jetzt beides diskutieren kann: Die Werke der Flick-Collection genau so wie die Rolle der Familie Flick.

Im Übrigen entzieht sich Friedrich Flick der Kontroverse ja auch gar nicht. Im Gegenteil. Er stellt sich, er sucht die offene Auseinandersetzung über die Geschichte seiner Familie und niemand ist gehindert, sich daran – allerdings fair und differenziert – zu beteiligen. Unsere entwickelte demokratische Kultur bietet dafür einen gesicherten Boden, und gerade Berlin steht das gut zu Gesicht. Auch darin kann der Gewinn der Flick-Collection liegen.

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