Berlin : Kurzmeldungen

Frank Jansen

THEKENTANZ

Kula Karma,

Rosenthaler Straße 36, Mitte, Tel.: 27582035, geöffnet montags bis freitags von 17 bis 3 Uhr, sonnabends und sonntags ab 12 Uhr.

Vor langer langer Zeit hatte der drinking man mal ganz lange Haare. Und trug einen indischen Seidenschal und las Hermann Hesse. Doch irgendwann waren Matte ab, Schal weg und Hesse out. Heute fragt sich der drinking man, ob er damals nicht einen großen Fehler gemacht hat. Denn Hippie ist hip, Indien ist in und ein Seidenschal the hit. Doch reichte es nur zu Anzug und Pflichtblatt-der-Börse-Frisur, als ein Besuch im „Kula Karma“ anstand. Die compañera kam auch nur well dressed daher. Nichts an ihr war indisch. Das sollte sich ändern. Die Gäste des Kula Karma werden beim Eintreten in einem violett-gleißenden Lichtflur bestrahlt, auf dass sie erleuchtet in das heruntergedimmte Nirwana eintauchen dürfen. Da fassten sich compañera und drinking man bei den Händen: Sie standen in einem zweistöckigen Palast vollendeter Hippiephantasie. Nie zuvor wurde in Berlin ein Lokal mit soviel Maharaja-Kitsch präsentiert.

Die Wände sind rötlich-violett getüncht und mit großen, pink-violetten Ringelmustern bemalt. Die Stühle sind violett-rötlich gepolstert, die hohen Lehnen enden in mufflonartig gedrehten Goldhörnern. Die hohen Säulen sind violett angepinselt. Oben und unten prunkt je ein Tresen. Die Treppe zur oberen Etage ziert wild verbogenes Strebengeländer, wohl auch von Hinrich Baller inspiriert, dem Architekten der umgebenden Rosenhöfe. An den Decken kleben Goldflocken.

Das Lokal war voll. Die Mehrheit der Gäste zählte zu der Gattung Studenten, die sich ein wenig posthippiesk geben – hier ein Piercing, dort ein Neonsträhnchen. In der Minderheit befanden sich die Klientel, die einst als Part-Time-Hippies der Gesellschaft entfleuchte. Sie sitzt heute gepflegt, aber unauffällig im Kula Karma und lächelt wissend. Die netten Servierdamen lächeln honigsüß zurück. So ist „Indien“ zu ertragen.

Die Barkarte bietet auf acht Seiten nahezu alle klassischen Cocktails, dazu je eine Seite Longdrinks und Virgin Cocktails. Der drinking man bestellte einen Gin Tai (Gin „Bombay Sapphire“, Cointreau, Apricot Brandy, Mandelsirup, Limejuice, Zitronensaft). Er war lecker, aber leider nicht kalt genug. Der Brandy Alexander (Cognac, Crème de Cacao weiß und braun, Sahne) schmeckte auch gut, doch fehlte der obligate Muskatgriesel. Die Compañera empfand den Sex on the Beach (Smirnoff Vodka, Peachtree, Erdbeerlikör, Ananassaft, Zitronensaft, Grenadine) süßer, als er sein dürfte. Nur der Apple de Cuba (Frische Minze, Rohrzucker, Limetten, Apfelsaft, Soda) wurde generös gelobt: „Wie ein Mojito ohne Alkohol.“ Die zu den Drinks verzehrten Wan Tans und der „Margarita Marinated Salmon“ verdienten das Prädikat „ganz okay“. California meets Asia in a Hindu shrine.

Das Kula Karma passt wunderbar nach Mitte. Doch irgendwie waren die Cocktails nicht so berauschend, dass der drinking man sein Haupthaar wieder brahmanisch wuchern ließe. Ein Lokal, das so was schafft, das wär’ uneinholbar hip.

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