Berlin : Kurzmeldungen

Sigrid Kneist

PRO

Opernliebhaber aus England, der Schweiz oder den Vereinigten Staaten müssen sich in Berlin wie im Paradies vorkommen. Für einen richtig guten Platz in einem der drei hiesigen Häuser müssen sie nur einen Bruchteil dessen bezahlen, was sie in ihrer Heimat auf den Ticket-Counter legen müssen. 300 Euro für einen Top-Platz bei „Don Giovanni“, damit muss man in der Metropolitan Opera in New York rechnen. Und die Züricher sind auch durchaus bereit, für einen Spitzensitz um die 180 Euro zu bezahlen.

Dass Oper ein teures Vergnügen ist, ist nicht wirklich neu. Der Aufwand, der für Aufführungen getrieben wird, ist enorm. Und natürlich müssen die Kulturpolitiker darauf achten, dass nicht nur die Oberen der Gesellschaft sich dieses Vergnügen leisten können. Subventionen wird es also immer geben müssen. Das sollte sich dann vor allen Dingen auf den billigen Plätzen bemerkbar machen. München macht es ja vor: Dort gehen die Preise, je besser der Sitz, viel weiter nach oben als in Berlin. Aber gleichzeitig kann man auch auf einem Stehplatz für zehn Euro mehrstündigen Kunstgenuss erleben. Auf den Topplätzen sitzt aber auch in Berlin ein Publikum, das es sich in der Regel durchaus leisten könnte, den eigentlich angemessenen, höheren Preis zu zahlen. Berlin hingegen kann es sich nicht mehr leisten, selbst diese Plätze zu subventionieren. Im Übrigen: Bei Musicals, die von Privatunternehmen auf die Bühne gebracht werden, akzeptiert das Publikum ohne Murren weit höhere Preise, selbst auf hinteren Rängen.

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