Berlin : Kurzmeldungen

Er war der Felix Krull der 60er Jahre: Frank W. Abagnale. Auch in Berlin trieb der Hochstapler sein Unwesen. Am Sonntag stellt Steven Spielberg den Film über ihn vor Scheck-Therapie

Andreas Conrad

Von Andreas Conrad

Sie ängstigen sich vor Dieben? Kein Problem, das Video „Stop thief!“ informiert in 30 Minuten über alle miesen Ganoventricks, zum Preis von nur 19,95 Dollar. Oder soll es doch lieber das Video „You catch a thief“ sein, das sich mehr an Bankangestellte richtet? Kostet schon 150 Dollar. Und was das Angebot an Beratungen, Schulungen und Seminaren zu allen möglichen Sicherheitsfragen betrifft: Fragen Sie Frank W. Abagnale.

Sogar das FBI schätzt die Kenntnisse des amerikanischen Geschäftsmannes. Aus solch einem Ehrenmann einen Hollywoodfilm zu zaubern, fiele wohl selbst einem Steven Spielberg schwer. Die Jugendsünden des geläuterten Frank dagegen eignen sich um so besser, wie er in seinen schon über 20 Jahre alten Erinnerungen nicht unbescheiden anklingen lässt: „Von Behörden und Reportern wurde ich als einer der gerissensten Scheckbetrüger, Trickdiebe und Gauner des Jahrhunderts bezeichnet, als Hochstapler vom Format eines Academy-Award-Preisträgers.“

An sich sollte Frank W. Abagnale am morgigen Sonntag nach Berlin kommen, um gemeinsam mit Spielberg, Tom Hanks und seinem Alter ego Leonardo DiCaprio die Premiere von „Catch me if you can“ im Cinestar am Potsdamer Platz zu feiern. Nun hieß es: Er kommt nicht. Ist er also rückfällig geworden und seiner früheren Lieblingsbeschäftigung verfallen, alle zu foppen? Strafverfolgung müsste er jedenfalls nicht mehr fürchten, wenngleich er in den Sechzigern auch in West-Berlin sein Unwesen getrieben hat.

Dem Film liegt die Lebensgeschichte des jungen Abagnale zugrunde, den man sich als einen Felix Krull des frühen Jetset-Zeitalters vorstellen muss, einen Hochstapler, der nach ersten Fingerübungen mit einer Kreditkarte des Vaters zum Hochstapler erster Güte aufstieg, mit Vorliebe als PanAm-Copilot auftrat, aber auch schon mal als Kinderarzt, Rechtsanwalt oder Hochschulprofessor – alles Berufe mit hohem Vertrauensbonus, den Abagnale mit genialem Geschick für seine Betrügereien auszunutzen wusste. Gefälschte Schecks waren seine Spezialität, noch vor dem 20. Lebensjahr hatte er es damit zum zweieinhalbfachen Dollar-Millionär gebracht. Klar, dass auch Frauen auf ihn flogen.

Auf einer seiner Touren nach West-Berlin kam ihm die Idee, wie er sich ohne Lizenz und Flugzeug eine Crew besorgen könnte. Denn ein Pilot, der immer nur solo auftritt, wirkt auf Dauer doch verdächtig. Also täuschte er erst ein College, das ihn mit jungen, abenteuerlustigen Absolventinnen zusammenbrachte. Logisch, dass auch sie mit gefälschten Schecks abgefunden wurden.

Letztlich waren die Behörden doch schlauer. Abagnale wurde geschnappt und verurteilt, später vorzeitig entlassen. Er diente sich bei einer Bank für einen Vortrag über Scheckfälschung an, zu entlohnen nur, falls der Vortrag als nützlich gewertet wurde. Er wurde es, und man empfahl ihn weiter.

Seine Erinnerungen hat er vor 22 Jahren zu Papier gebracht, schon vorher konnte er die Filmrechte verkaufen, die mehrfach weiterveräußert wurden, bis es jetzt zu dem Film von Steven Spielberg kam. Der stellte sich jetzt als prädestiniert für diese Geschichte dar. Schließlich habe auch er als Hochstapler angefangen und sich am Pförtner der Universal Studios vorbei geschlichen, und dann sei er einen ganzen Sommer unentdeckt geblieben. „Mein Kostüm war ein Anzug“, dies sei sein Anfang im Filmgeschäft gewesen. Kleider machen Leute, auch in Hollywood.

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