Berlin : Kurzmeldungen

Annette Kögel

CONTRA

Da ist er wieder, dieser Reflex. Das prompte Jammern darüber, dass der Staat einem ja nur wieder das Geld aus der Tasche ziehen will. Wo doch ohnehin alles teurer wird: Einkaufen, Tanken, selbst das Wasser aus der Leitung – und jetzt auch noch die Bildung. Gut vierzig Euro stellt der Senat den Eltern pünktlich zur Einschulung für Atlas, Fibel und all die andern Bücher in Rechnung. Bei Oberschülern müssen Mütter und Väter sogar dreistellige Eurobeträge in Mathebuch und Englisch-Dictionary investieren. Ist das nicht zu viel verlangt?

Nein. Denn das, was die Bildungsverwaltung derzeit für Berlins Schulen in der Kasse hat, verdient schlicht die Note ungenügend. Unsere Schüler blättern in veralteten Büchern. Übereignet zwar, aber überholt. Das wird sich ändern, sobald Väter und Mütter sich die Bildung ihrer Kinder etwas mehr kosten lassen. Ernsthaft protestieren kann hier niemand: Schließlich wurden Berliner Eltern bisher vergleichweise wenig für die Schulbildung ihrer Kinder zur Kasse gebeten. In anderen Bundesländern müssen Mütter und Väter ein Vielfaches zahlen, und Empfänger von Sozialhilfe und Wohngeld will Bildungssenator Böger ja zu Recht schonen.

Wenn Eltern jetzt die Schulbücher aus eigener Tasche bezahlen sollen, hat das auch noch einen positiven Nebeneffekt: Mit Eigentum geht man oft pfleglicher um als mit geliehener Lektüre. Ohne Eselsohren lassen sich die Bücher dann auch wieder zu guten Preisen verkaufen.

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