Berlin : Kurzmeldungen

Frank Jansen

THEKENTANZ

CasBar, Westfälische Straße 59, Wilmersdorf, Tel.: 814 95 999, geöffnet dienstags bis sonnabends von 17 Uhr bis 2 Uhr.

Liebe Frau R.,

Sie haben dem drinking man und seiner compañera im vergangenen Dezember per Brief „eine neue, kleine Bar“ empfohlen, „die Ihren Ansprüchen vielleicht genügt“. Das war angenehm vorsichtig formuliert und hob sich von der sonst hereindonnernden Best-Bar-of-the-Universe-Propaganda ab. Auch wenn nicht ganz klar war, warum Sie, liebe Frau R., die Sie sich selbst als „weiblich, Mitte 60“ beschreiben, so ganz uneigennützig eine kürzlich eröffnete Bar anpriesen, hat sich das drinking couple in die Westfälische Straße begeben. Die wirklich kleine „CasBar“ blinkte hell – und schwupps, war sie halbvoll. Wenn hier ein Paar einen Tisch belegt, und am Tresen sitzt noch ein Gast, und durch die anderthalb Räumchen flitzt der Barkeeper, wird’s fast schon eng und deutlich wärmer.

Beim Besuch des drinking couple stießen noch ein paar Menschen mittleren Alters hinzu, die in ihren bunten Strickpullovern vermutlich die Berliner Variante der good old neighbourhood verkörperten. Stilistisch ist die CasBar durchaus darauf eingestellt. Das freundliche Hellholz-Ambiente, der Kontrast der Schwarzsteinplattenverkleidung des Tresenkörpers und die teilweise mit Ketten verbundenen, postmodernen Höhlenmalerei-Bilder eines Künstlers namens Machi Macholdt künden vom Streben nach einer heiter-sozialdemokratischen Bar. Nur orientalische Anklänge, liebe Frau R., gab es trotz des Namens, bei dem wir an Kasbah dachten, nicht. Vermutlich deshalb, weil der Betreiber laut Karte auf den Spitznamen „Caspar“ hört und „CasBar“ wohl nur ein privates Wortspiel ist.

Bei so viel Heimeligkeit erwartete das drinking couple eher friedfertige Cocktails. Doch dann kamen ein Hurricane, ein Gin Tai und ein White Russian – so alkoholschwer, als wollte Herr Caspar gleich noch ein Übernachtungszimmer im ersten Stock vermieten. Liebe Frau R.! Sollten Sie etwa das drinking couple in diese Bar gelockt haben, um heimlich seine Trinkfestigkeit zu studieren? Oder um sich an entgleisenden Pressemenschen zu ergötzen? Das wäre aber ganz und gar nicht sozialdemokratisch! Vielleicht jedoch, liebe Frau R., sind Sie einfach eine robuste Urberlinerin, die weder Tod noch Spirituosen fürchtet. Wenn es so ist, liebe Frau R., bleiben Sie so, wie Sie sind. Und schicken Sie ruhig weitere Tipps. Das drinking couple wird dann mit „Mampe Halb & Halb“ trainieren. Bis dahin,

Ihr drinking man,

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