Berlin : Kurzmeldungen

Brigitte Grunert

HINTER DEN KULISSEN

Seit die Bonner zugereist sind, kommen die Narren in Schwung. Die Politik mischt mit, und wie. Der Senat findet neuerdings, der Karneval sei ein „Ereignis von gesamtstädtischer Bedeutung“. Womöglich klingelt die Kasse ein bisschen. Bürgermeisterin und Justizsenatorin Karin Schubert (SPD), die lange im Rheinland zu Hause war, regte einen echt Berliner Jeckensong an. Nun sitzt sie mit Mittes Bezirksbürgermeister Joachim Zeller (CDU) und Hertha-Mannschaftskapitän Michael Preetz in der Auswahl-Jury. Sogar ein früherer Senatssprecher poliert das Narren-Image. Helmut Lölhöffel (SPD) ist Sprecher des großen Karnevalszuges – auf Bitten seines Freundes Harald Grunert von der StäV am Schiffbauerdamm, und der sitzt dem Verein „Karnevalszug Berlin e.V.“ vor. Lölhöffel schwärmt für die „fünfte Jahreszeit“; er war Korrespondent in Bonn. Sein Brot verdient er jetzt als Mediensprecher von Vivendi Water, das an den Wasserbetrieben beteiligt ist. Dass er nebenbei den Jux betreut, wird Vivendi keineswegs schaden. „Der Berliner Karnevalszug ist eine Art öffentliche Selbstinszenierung und Werbung“, spricht Lölhöffel.

Karin Schubert macht gern Informationstouren durch die Bezirke, denn sie sitzt dem Rat der Bürgermeister vor. Bei ihrem Besuch in Neukölln bekam sie neulich im Schloss Britz ein Kompliment von Schlosspflegerin Claudia Przyborowski, weil ihr deren komplizierter Name so leicht und perfekt von der Zunge kam. „Ach wissen Sie“, erläuterte Frau Schubert, „ich hatte einen Schulkameraden, der auch so hieß.“ Wie sich herausstellte, ist er der Schwager der Kunsthistorikerin. Die Senatorin ließ hocherfreut schöne Grüße ausrichten.

Die Routine-Untersuchung, der sich Gesundheitssenatorin Heidi Knake-Werner (PDS) dieser Tage unterzog, dauerte etwas länger. Man unterhielt sich über Ärztenöte und Ärztestreik. Sie lasse ihre Patienten nicht im Stich, versicherte Frau Doktor. Ganz nebenbei diagnostizierte sie bei der Senatorin einen zwei Jahrzehnte alten Leistenbruch. Beschwerden hat er nie bereitet.

Es soll vorkommen, dass Politiker aneinander geraten. Im Parlament gehen sich die Abgeordneten Christoph Meyer (FDP) und Karin Hopfmann (PDS) eher aus dem Weg; Liberale und PDS haben sich wenig zu sagen. Aber auf der Straße knallte es mächtig. Die beiden stießen mit ihren Autos zusammen. Sie kamen bei dem Unfall zwar heil davon, stellten aber Totalschaden an den Golfs fest. Nun haben Frau Hopfmann und Herr Meyer mit der Schadensregulierung zu tun.

Reichlich verwundert war der CDU-Abgeordnete Oliver Friederici, als ein Großaufgebot der Polizei beim netten Reihenhaus-Nachbarn in Buckow anrückte. Friederici fiel aus allen Wolken. Das adrette, höfliche, unauffällige Paar mit dem gepflegten Garten von nebenan entpuppte sich als gesuchtes Gaunerpärchen. Banküberfälle in Brandenburg mit einer halben Million Euro Beute werden ihnen zur Last gelegt. Wie isses nun bloß möglich, grübelt Friederici.

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