Berlin : Kurzmeldungen

Ingo Bach

CONTRA

Wer die Forderung aufstellt, einen Teil des Ticketpreises zurückzuzahlen, wenn es mal im öffentlichen Nahverkehr hakt, der sollte sich zunächst eine einfache Frage stellen: Habe ich für die eingeforderte Leistung tatsächlich einen angemessenen Preis entrichtet? Denn nur, wer die Ware zu 100 Prozent bezahlt (ganz abgesehen von einem Gewinn für den Dienstleister) kann überhaupt darauf pochen, auch eine hundertprozentige Leistung zu bekommen. Die Tickets im öffentlichen Nahverkehr sind aber nicht kostendeckend. Nur 60 Prozent der Ausgaben können BVG und S-Bahn mit den Fahrpreisen erwirtschaften, den Rest, das sind rund 650 Millionen Euro im Jahr, schießt die öffentliche Hand zu.

Und welche Leistung bezahlen wir eigentlich? Die Ware der Berliner Nahverkehrsunternehmen ist nicht nur der reine Transport bis in den entlegensten Winkel Berlins, sondern auch die Erhaltung und Verbesserung der Infrastruktur. Würden BVG und S-Bahn nicht mit Milliardenaufwand bauen und dafür manchmal den Verkehr unterbrechen, gäbe es wahrscheinlich noch immer ein zweigeteiltes Verkehrsnetz, noch viel mehr Einschränkungen, weil manche der Gleise längst verottet wären – und auch Proteste: gegen die Untätigkeit der Betreiber. Und schließlich: Wer will den von Verkehrsstörungen betroffenen Fahrgästen ihr Geld zurückzahlen, geschweige denn herausfinden, wer betroffen war? Der bürokratische Aufwand wäre teuer, der Fahrgast müsste auch das bezahlen. Wollen wir das?

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