Berlin : Kurzmeldungen

Am Sonnabend wird der Echo-Preis an Musiker aus dem In- und Ausland verliehen. Damit sie sich in Berlin wohlfühlen, gibt es Star-Betreuer wie Sabine Kamisli Es muss immer Sushi sein

Melanie Ottenbreit

Für Sabine Kamislis Job würde mancher das letzte Hemd geben. Sie arbeitet beim Sony-Music-Konzern und kommt ganz dicht heran an die großen Popstars. Wenn Jennifer Lopez, Anastacia oder – wie jetzt zur Echo-Verleihung am Sonnabend – Kelly Osbourne nach Deutschland kommen, weicht ihnen die 28-Jährige nicht von der Seite. Die Produkt-Managerin betreut internationale Stars während ihres Aufenthalts in der Stadt – das heißt Einsatz rund um die Uhr. Schließlich ist es schon mal vorgekommen, dass Kelly Osbournes Koffer auf dem Flug verloren ging. Die schrillen Klamotten waren weg. Sabine Kamisli würde in solchem Fall mit der Assistentin der Sängerin shoppen gehen. Den schrägen Star betreut sie nicht zum ersten Mal. Spezielle Wünsche? „Hat Kelly Osbourne nicht.“ Außergewöhnliche Wünsche haben ihre Schützlinge sowieso nicht. „Das ist ein Klischee. Viele Stars sind ganz normal.“ Extravaganzen wie die von Led Zeppelin, die mit eigenen Fischen von Hotel zu Hotel reisten, sind ihr in acht Berufsjahren nicht untergekommen. Bei einer PR-Agentur hat Sabine Kamisli angefangen, hat nebenbei Kommunikation studiert und kam vor vier Jahren zu Sony.

Als Profi weiß sie auch, was den Stars schmeckt. Sängerin Anastacia – auch für den Echo-Preis nominiert – isst am liebsten Sushi. Das steht auf einer Karte, auf der die Starbetreuerin auch die anderen Vorlieben Anastacias notiert hat. „Nach einem Auftritt im TV-Studio will sie Sushi haben. Das wissen wir schon und bestellen es ihr.“ In der Suite, die Anastacia in Berlin immer im Four Seasons bezieht, steht – kleine Aufmerksamkeit der Plattenfirma – auch eine Baileys-Flasche bereit. Und Sangria. „Einen richtig außergewöhnlichen Wunsch hatte sie noch nie“, erinnert sich die Betreuerin.

Jennifer Lopez steigt in Berlin im Regent Schlosshotel ab. „Die Amis mögen das Mondäne“, sagt Kamisli. Bevor Prominente wie die attraktive Sängerin anreisen, werden in den Hotels auch mal Sofas gerückt. Jennifer Lopez verlangt nach Weiß. Und so werden statt schwarzer Möbel weiße in ihre Suite geschleppt. „Natürlich ist nicht das ganze Zimmer weiß, so wie viele Fans glauben“, erklärt die Produkt-Managerin. Aber da sie für das Wohlbefinden der Popgrößen auf Deutschland-Touren verantwortlich ist, tut sie, was sie kann. Weiße Blumen, ein weißes Sofa und ein weißer Sessel für Jennifer Lopez. Kein Problem. Jennifer Lopez, sagt die Betreuerin, „mag es eben gerne gemütlich.“ Gemütlich weiß. „Aus welchen zen-buddhistischen Gründen auch immer.“ Kulinarisch ist „J.Lo“ verglichen mit anderen Stars pflegeleicht. „Sie trinkt nicht mal Champagner.“

Das Gerücht, Jennifer Lopez habe auf Reisen einen eigenen Koch, weist Sabine Kamisli zurück. „Unsinn. Die reist auch nicht mit 60 Leuten an.“ Eigene Band und eigene Sänger habe sie schon dabei. Und ihre Bühnendekoration. Die reist von Auftritt zu Auftritt mit. Ohne „J.Lo-Logos“ im Bild läuft nichts. Erst recht nicht ohne das restliche Gepäck. Einmal, die Sängerin sollte bei „Wetten, dass..?“ in der Schweiz singen, waren ihre Koffer weg. Die Sängerin saß im Jogginganzug und ungeschminkt im Hotel, die Presse wartetete ungeduldig vor der Tür. „Eine Frau aus ihrem Team hatte nicht aufgepasst und fuhr mit den Klamotten ins Studio statt ins Hotel“, sagt Kamisli. Das lag am anderen Ende der Stadt. „Die Zicke will kein Interview machen“, hieß es bei den Journalisten hinterher. „Dabei waren Garderobe und Make-up wirklich nicht da.“

Sechs Monate, bevor Sänger und Bands mit ihren Privatflugzeugen in Tegel oder Schönefeld landen, bereitet sich Sabine Kamisli mit ihren Kollegen auf die Gäste vor. Anastacia zum Beispiel nimmt eine Suite, das Zimmer nebenan ist für ihre Schwester und persönliche Assistentin reserviert. Hairstylisten und Visagisten werden abrufbereit auf dem gleichen Flur einquartiert. Ihre Band kommt in ein billigeres Hotel.

Und was die Fans kaum glauben mögen: Überraschungen sind bei den Besuchen ausgeschlossen. Denn jede Reise ist generalstabsmäßig organisiert. Ihre Schützlinge, findet Sabine Kamisli, sind nicht anstrengender als andere Stars. So lange die keine unrealistischen Wünsche äußern. „Wenn einer einen blauen Elefanten im Zimmer haben will, oder kurz vor einem Auftritt sagt, er möchte das vereinbarte Lied nicht mehr singen – so etwas ist dann anstrengend oder nicht zu machen.“ Aber so abgehoben sind die Prominenten dann doch wieder nicht.

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