Berlin : Kurzmeldungen

Bernd Matthies

DIE WEINE DES MONATS

Der Weißburgunder zählt in Deutschland derzeit zu den erfolgreichsten Rebsorten. Er gedeiht bestens auch in Lagen, die für den kapriziösen Riesling ungeeignet sind, und die verzweifelten Versuche einiger deutscher Winzer, ihre Weißburgunder als „Pinot Bianco“ zu vermarkten, sind vergessen. Denn die Zeiten neutraler Weißweine italienischen Stils sind offenbar selbst in Italien vorbei. Sieht man sich um, wer in Deutschland am meisten für die Rehabilitation der Rebsorte getan hat, fällt das Auge automatisch auf die Pfälzer Pioniere Rainer und Günther Bergdolt . Sie gehörten zu den ersten deutschen Winzern, die das wahre Potenzial des Weißburgunders erkannten und die Qualität der Weine jedes Jahr steigerten, und das, obwohl ihre Lagen in Kirrweiler und Duttweiler keineswegs als besonders bedeutend galten. Doch der Winzer macht den Weinberg bekannt, nicht umgekehrt, und so gelten Bergdolts Weißburgunder längst als Klassiker mit ihrer kristallklaren, reintönigen Art. Der 2001er Kirrweiler Mandelberg Weißburgunder Spätlese trocken ist ein Musterbeispiel mit seinem typischen Bukett von Äpfeln und Birnen, der saftigen Frucht und der frischen Säure, eingebunden in einen moderates Alkoholrückgrat (12,5 Prozent), das ihn nicht nur bei Verkostungen glänzen lässt, sondern auch zum flexiblen Tischwein macht. Die Flasche kostet 11,60 Euro bei Le Monde du Vin in der Torstraße 147 in Mitte.

Unser Rotwein des Monats ist ein erneuter Beweis für den erstaunlichen Aufstieg des griechischen Weins aus den Niederungen von Retsina&Co. Der Zypriote Panos Lantides, ein in Bordeaux ausgebildeter Önologe, ist auch in Griechenland schon viel herumgekommen. Niedergelassen hat er sich schließlich in der Nemea-Region auf der mittleren Peloponnes. Dort gehört die Agiorgitiko-Rebe zum Pflichtprogramm, doch viele Winzer experimentieren hier wie in allen anderen Mittelmeerländern mit der Verbindung von regionalen und internationalen Sorten – überwiegend der Cabernet Sauvignon. Der 2000er Agiorgitiko-Cabernet von Lantides zeigt, wie gut die beiden Reben harmonieren: Der bodenständige Grieche steuert Würze und eigenwilligen mediterranen Charakter – Rosinen, trockene Kräuter – bei, die Cabernet typische Beerenfrucht und Eleganz. Der Wein hat anders als viele andere Cuvées internationalen Stils nur einen Hauch von Holz gesehen, präsentiert sich also schon jetzt mit verbindlicher Süffigkeit – ein langer Kelleraufenthalt wird nicht mehr viel hinzufügen. Aber dafür gefällt der Preis um so mehr: 6,20 Euro kostet die Flasche bei Christos Tziolis, dem Berliner Griechenland-Pionier, der in seinem Laden Cava in der Schustehrusstraße 20 in Charlottenburg ein immer breiteres Sortiment von verführerischen Weinen zeigt. Besondere Beachtung verdienen dort aber auch die Olivenöle, Konserven, Marmeladen…

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