Berlin : Kurzmeldungen

Brigitte Grunert

HINTER DEN KULISSEN

So viel Zeit muss sein für die höhere Diplomatie – und fürs eigene Image. Der sechsjährige niederländische Diplomatensohn Birem, der Klaus Wowereit im Roten Rathaus besuchte, bekam sogar eine halbe Stunde. Birem hatte den Regierenden in der TV-Sendung „Gute Zeiten – schlechte Zeiten“ gesehen und wollte ihn unbedingt kennen lernen, so dass die Mutter Wowereit einen Brief schrieb. Der Steppke begutachtete also das Amtszimmer bei Saft und Keksen und durfte auch am Schreibtisch ein Redemanuskript „redigieren“. Doch sein größtes Interesse galt dem Dienst-Daimler auf dem Hof; er durfte eine Sitzprobe machen.

Im Skiurlaub in Tirol liefen FDP-Fraktionsgeschäftsführer Thomas Schotten gleich mehrere gute Bekannte über den Weg, auch der Grünen-Abgeordnete Michael Cramer. Doch der sonst so helle Cramer erkannte den freundlich grüßenden Herrn in seiner Vermummung nicht. Der Skianzug, die Sonnenbrille, der Ferienbart… Der Liberale ließ den Grünen stillvergnügt rätseln. Er verschwieg seinen Namen und meinte nur geheimnisvoll: „Wir werden das bei der nächsten Plenarsitzung aufklären, am 20 Februar.“

Nichts geht doch über Erfolgserlebnisse. Froh und stolz kehrte der Grünen-Abgeordnete Oliver Schrouffenegger von einer sehr anregenden Diskussion mit 300 Schülern der Martin-Buber-Oberschule in Spandau über die Berliner Haushaltsnöte zurück. Auch die Parlamentskollegen Martin Lindner (FDP-Fraktionschef), Carl Wechselberg (PDS) und Gregor Hoffmann (CDU) waren der Einladung gefolgt, nur keiner von der SPD. Einen interessanten Test gab es auch. Am Anfang und am Ende wurde den Schülern die Sonntagsfrage gestellt. Schrouffenegger muss sich gut geschlagen haben. Ganz happy erzählte er von 23 Prozent für die Grünen vorher und glanzvollen 46 Prozent nachher. Das Votum für die SPD sank von 25 auf neun Prozent. War ja keiner da, das hat sie nun davon.

Sprachbilder sind Gold wert, wenn damit ein komplizierter Vorgang unkompliziert begreiflich gemacht wird. Doch mit den Metaphern ist es so eine Sache. Sie können leicht daneben gehen. Im Rechtsausschuss ging es am Donnerstag um das Müllbeseitungsmonopol der BSR und das Credo der FDP für privaten Wettbewerb. Nun gibt es aber bindende Vertragsfristen. Das wollte Bernd Schimmler (SPD) klar machen: „Nehmen wir an, der PDS-Kollege Benjamin Hoff stellt Martin Lindner als Kofferträger ein. Um sich vorfristig von ihm zu trennen, schmeißt ihm Hoff eine Bombe auf den Koffer. Sie glauben doch wohl nicht, dass man so einfach Verträge lösen kann.“ Fast alle schmunzelten über das drollige Gleichnis. Nur ertrugen einige das unfriedliche Bombenbild nicht, liegt wohl am drohenden Irak-Krieg.

Unaufhörlich summen die Fax-Geräte in den Fraktionsstuben. CDU-Fraktionssprecher Frank Hufnagel zog neulich eine Mitteilung von Seltenheitswert aus dem Hause von Wirtschaftssenator Harald Wolf (PDS) aus dem Gerät. Sie war nämlich noch im Korrekturstadium. Beinahe jedes dritte Wort war durchgestrichen und ersetzt. Die Christdemokraten amüsierten sich über die unbereinigte Fassung. Ist doch psychologisch interessant, wie eine Senatsmitteilung entsteht, welche Akzente ein Senator setzen will und was er lieber verschweigt oder doch gefällig verpackt. Brigitte Grunert

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