Berlin : Kurzmeldungen

Annette Kögel

CONTRA

Du lieber Gott, werden die Kritiker sagen, das ist ja die Hölle: Jetzt will die katholische Kirche ihre Gotteshäuser verhökern und möglicherweise abreißen. Ist der Kirche denn gar nichts heilig? Doch wenn die Gotteshäuser leer bleiben, weil die Gläubigen ausbleiben, und die Häuser den Etat des Bistums weiter belasten, muss man über eine Umwidmung nachdenken. Nicht aber über einen Abriss. Schließlich gehören Kirchen zu den architektonischen Visitenkarten der Stadt und sind mit ihren Türmen Landmarken für die Berliner – auch für Nicht-Katholiken. Der stadtverträgliche Weg ist deshalb, die Kirchen anders zu nutzen. Gottes verlassene Häuser könnten, anstatt dem Boden gleich gemacht zu werden, als würdiger Veranstaltungsort, als Theatersaal, als Konzerthalle zu neuen Ehren kommen. Dass das Konzept funktioniert, machen die Protestanten vor, beispielsweise bei der Passionskirche oder der Kirche zum Heiligen Kreuz. Natürlich müssen auch die Katholiken bei Vermietung oder Verkauf Augenmaß behalten. Kirchen zu Schwimmhallen – wie einst Stalin provozierte? Dieser Kelch sollte an uns vorbeigehen. Bitte auch kein Verkauf von Teppichrollen am Altar wie in Amsterdam. Aber inzwischen locken ja selbst Katholiken, wie der Münchner Pfarrer Thomas Kammerer, Techno-Jünger in Diskogottesdienste. Sogar die frommen Amis können mit DJs in der Kapelle leben. Ein Kult-Club für Berlin wie die Kirchendisko „Limelight“ in New York? Göttlich.

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