Berlin : Kurzmeldungen

Markus Hesselmann

PRO

Das ist die eine Geschichte. Sie könnte sich bald in Berlin so oder so ähnlich abspielen: Eine Abrissbirne kracht ins Dach des Gotteshauses. Das Kirchenschiff wird von Baggern zerlegt. Am Ende geht eine Ladung Dynamit hoch. Der Kirchturm fällt in sich zusammen. Als der Staub sich gelegt hat, bleibt ein Haufen Schutt übrig. Für die Menschen der Gemeinde war ihre Kirche über Jahrzehnte der Mittel- und Haltepunkt ihres geistlichen Lebens. Jetzt ist das Gotteshaus weg. Dem Bistum fehlte das Geld. Die andere Geschichte ist ganz schön alt. Sie geht so: Kurz vor dem Passahfest reiste Jesus nach Jerusalem. Dort sah er im Tempel viele Händler, die Ochsen, Schafe und Tauben als Opfertiere verkauften. Auch Geldwechsler saßen hinter ihren Tischen. Voller Zorn knüpfte Jesus aus Stricken eine Peitsche und jagte die Händler aus dem Tempel. Er schleuderte das Geld der Wechsler auf den Boden und warf ihre Tische um. Den Taubenhändlern befahl er: „Schafft das alles hinaus! Das Haus meines Vaters ist doch kein Krämerladen!“

Im Johannes-Evangelium wird der ansonsten eher friedliche Jesus Christus so richtig wütend. Es ist die einzige Bibelstelle, in der er Gewalt anwendet. Die Entweihung eines Gotteshauses ist für ihn die schlimmste Schande. Und heute? Ein Einkaufszentrum oder eine Diskothek in einer Kirche, weil das finanzschwache Erzbistum das Gotteshaus meistbietend verscherbeln musste? Christus wäre für Abriss gewesen. Glaube ich.

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