Berlin : Kurzmeldungen

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Nach dem Mauerfall war der Senat erst einmal damit beschäftigt, die öffentlichen Unternehmen und Einrichtungen beider Stadthälften ordentlich zusammenzufügen und lebensfähig zu halten. Erst seit 1993 wurden Landesbeteiligungen systematisch privatisiert. Die Stern und Kreisschifffahrtsgesellschaft war das erste prominente Unternehmen, das Berlin (im Juli 1993) verkaufte. Für eine Million Mark. Ein Jahr später trennte sich der Senat von Teilen der Gasag, und 10 Prozent der Aktienanteile an der Bankgesellschaft Berlin wurden an die Norddeutsche Landesbank abgegeben. 1995 wurden die Restanteile an der Gasag dem Energiekonzern Veba überlassen und das Fernheizkraftwerk Neukölln versilbert.

Ins Rollen kam damals auch der Verkauf städtischer Wohnungsbaugesellschaften. Es waren fast nur Mogel-Privatisierungen: Ein landeseigenes Wohnungsunternehmen kaufte das andere auf. Die Wohnungsbaugesellschaft Pankow wurde Bestandteil der Gesobau; die WBG Weißensee wiederum ging in dem Pankower Unternehmen auf. Die Köpenicker WBG wurde Teil der Degewo und die Bewoge tat sich mit der Wohnungsbaugesellschaft Mitte zusammen. Die Arwobau wurde der landeseigenen Bankgesellschaft übertragen. 1997 wurde die WBG Lichtenberg von der WBG Hohenschönhausen gekauft und zwei Jahre später die WBG Hellersdorf an die „Stadt und Land“ veräußert. Die Gewobag übernahm im Jahr 2000 die städtischen Wohnungsunternehmen WIR und WIP. Die WBG Marzahn fiel 2001 an Degewo und Gesobau. Die erste lupenreine Privatisierung einer Wohnungsbaugesellschaft war der Verkauf der Gehag, in zwei Tranchen ab Ende 1998.

Im September 1997 trennte sich das Land Berlin von seinen Bewag-Aktien, und im Oktober 1999 wurden private Konzerne an den Berliner Wasserbetrieben beteiligt. Im Jahr darauf wurde ein altehrwürdiges Berliner Staatsunternehmen privatisiert: die Königliche Porzellan-Manufaktur. Auch am Zoologischen Garten, der eine Aktiengesellschaft ist und 1994 den Tierpark Friedrichsfelde unter seine Fittiche nahm, hält das Land nur noch 0,03 Prozent Anteile.

Viele kleine Vermögensgeschäfte und der Verkauf landeseigener Immobilien blieben in dieser Aufzählung außer Acht. Das letzte richtig große Geschäft war Ende 2001 der Verkauf der Gewerbesiedlungs-Gesellschaft. Von 1993 bis Ende 2002 flossen 8,189 Milliarden Euro aus Privatisierungserlösen in die Landeskasse. za

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