Berlin : Kurzmeldungen

Brigitte Grunert

HINTER DEN KULISSEN

Wann war doch gleich der Hauptstadtumzug? Also, seit fünf Jahren sind der Bundestag und die Bundesregierung in Berlin. Aber offenbar noch nicht lange genug, um heimisch zu werden. Sonst wären gewisse Irrtümer ausgeschlossen. Beim SPD-Fraktionssprecher im Abgeordnetenhaus, Hans-Peter Stadtmüller, ging dieser Tage ein Brief vom Bundespresseamt vom 12. Februar 2003 ein. Die Anschrift lautete: „SPD-Landtagsfraktion, Presse, Rathaus Schöneberg, 10825 Berlin“. Du liebe Güte, es ist neun Jahre und zehn Monate her, dass das Abgeordnetenhaus vom Rathaus Schöneberg in den Preußischen Landtag in Mitte umgezogen ist.

Richtig stolz ist Parlamentsvizepräsident und CDU-Chef Christoph Stölzl auf seinen Auftritt letzten Sonntag mit den Berliner Symphonikern. Der Politiker gab den Erzähler bei der Orchesterphantasie von Siegfried Matthus nach Michael Endes „Unendlicher Geschichte“. Er hat wieder Partituren lesen geübt, um keinen Einsatz zu verpassen. Wenn nun Schöngeist Stölzl die Politiker mit den Musikern vergleicht, schneiden die Musiker um Längen besser ab: „Alles ist Solidarität, gegenseitiger Respekt, Planung und Präzision.“ Genau das vermisst er in der Politik, meistens. Die Symphoniker, die mit Familienkonzerten pädagogische Arbeit leisten, aber seit Jahren immer weniger Zuschüsse erhalten, haben es dem früheren Kultursenator angetan. Vielleicht war seine erste ja doch nicht seine letzte Sprecherrolle: „Jetzt, da ich es kann, bin ich für alle Angebote offen.“

Keine Leistung ohne Gegenleistung. Als Klaus Wowereit am Mittwoch im Torah-Zentrum „Chabad Lubawitsch“ den ersten zehn angehenden Rabbinern, die seit der Shoah in Berlin ihre Ausbildung erhielten, die Zeugnisse überreichte, erhielt er ein überaus komplimentreiches „Gegenzeugnis“. Text der Urkunde mit dem Siegel des Torah-Zentrums: „Hiermit wird bestätigt, dass Klaus Wowereit ein großartiger Bürgermeister ist, der die Interessen der Berliner in hervorragender Weise vertritt. Wir sind außerordentlich stolz darauf, ihn als Bürgermeister für unsere Stadt zu haben.“

Er liest alles, weiß alles, koordiniert alles, ist immer glänzend vorbereitet, immer diskret und hebt sofort den Finger bei nicht ganz akkuraten Vorlagen. Die Rede ist von Abteilungsleiter Norbert Kaczmarek (CDU), den einst Richard von Weizsäcker in die Senatskanzlei mitbrachte. Mittlerweile ist er die graue Eminenz. Am Dienstag wurde Kaczmarek 61 Jahre alt. Wowereit gratulierte einem „Musterbeispiel eines deutschen Beamten mit dem wunderbaren Humor“ in der Senatssitzung: „Was gibt es Schöneres, als den Geburtstag im Kreise seiner Lieben zu beginnen.“ Kaczmarek registrierte die blumenreichen Glückwünsche mit seinem typischen verschmitzten Lächeln.

Zum Hindernislauf geriet am Donnerstag im Parlament die Wahl von zwei Mitgliedern und zwei Stellvertretern in das TU-Kuratorium unter acht Kandidaten der Gewerkschaften und des Beamtenbundes. Alles strömte schon zu den Wahlkabinen, als sich herausstellte, dass etliche Stimmkarten fehlten. Tags zuvor stimmte die bereitgelegte Stückzahl noch; ein Teil muss beim Aufräumen verkramt worden sein. Nach zehn Minuten Unterbrechung der Sitzung zwecks Herbeischaffung neuer Karten klappte die Wahl endlich. „So eine Panne hatten wir noch nie“, schwört der langjährige Parlamentssprecher Lutz-Rainer Düsing.

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