Berlin : Kurzmeldungen

Claudia Keller

PRO

Mit der Freundlichkeit und Berlin ist es wie mit dem Öl und der Fahrradkette. Es geht auch mit wenig, aber dann ist es anstrengend und macht keinen Spaß. Wenn man im Bus angepöbelt wird, weil man zu langsam einsteigt und in der Bibliothek die Angestellten beleidigt sind, wenn man nach einem Buch fragt, dann lässt sich das zwar ertragen – auch mit einem quietschenden ungeölten Rad kommt man von der Stelle –, aber es macht das Leben schwer und unnötig kompliziert. Außerdem ist Unfreundlichkeit unprofessionell. Kein Fahrradverleih würde ein quietschendes Rad anbieten, das würde niemand nehmen.

Genauso wenig kann es sich Berlin leisten, unfreundlich zu sein. Berlin lebt von seinen Dienstleistungen. Brandenburger mögen bei Berlin-Besuchen vielleicht noch Verständnis haben für mufflige Kellner, sie sind ja seit Jahrzehnten daran gewöhnt. Aber was ist mit internationalen Touristen? Amerikaner, Franzosen oder Briten sind weniger nachsichtig, Japaner sind schlichtweg fassungslos. Aber genau diese Leute wollen wir in der Stadt haben, auf eine weltoffene Atmosphäre ist Berlin wirtschaftlich angewiesen.

Freundlichkeit bringt aber nicht nur Schwung in die Stadt und lockt wichtige Menschen an. Nett zu anderen zu sein, ist auch ein unschlagbares Mittel gegen die eigene schlechte Laune. Das muss was mit den Gesichtsmuskeln und den Genen zu tun haben. Also: Öl auf die Kette, und los geht’s.

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