Berlin : Kurzmeldungen

Gute Nachricht für Berlin: Viele junge Menschen ziehen in die Stadt. Die schlechte: Es gibt zu wenig Kinder

Christoph Stollowsky

Immer weniger Kinder, aber immer mehr jüngere Leute unter 30 Jahren, die alleine oder zu zweit leben: Berlin entwickelt sich zur Hauptstadt der Singles. Falls die Berliner in den kommenden Jahren nicht mehr Nachwuchs bekommen und der Auszug von Familien mit Kindern in den Speckgürtel anhält, wird die Gesamtbevölkerung aus Sicht des Statistischen Landesamtes trotz der vielen jungen Bürger in den kommenden Jahren eher ab- als zunehmen.

Derzeit leben in Berlin 3,4 Millionen Menschen, wobei die Gesamtzahl in den vergangenen zwei Jahren wieder geringfügig anstieg. Zu verdanken ist das allein den 18- bis 35-Jährigen, denn nur in dieser Altersgruppe ist die Bilanz der Zu- und Weggezogenen positiv: Im Jahr 2001 gewann Berlin deshalb rund 22800 jüngere Bürger hinzu.

Überschaut man die vergangenen zwölf Jahre, so siedelten sich knapp 1,3 Millionen Neu-Berliner an. Da aber seit 1990 neben den Abwanderern auch wesentlich mehr Menschen starben als Kinder geboren wurden, konnten die Zuzügler den Bevölkerungsrückgang seit der Wende um rund 200000 Einwohner nicht aufhalten. Um wenigstens den jetzigen Stand zu halten, müsste jede Berliner Frau – statistisch gesehen – 2,2 Kinder gebären, sagte gestern Eckart Elsner vom Statistischen Landesamt. Der Durchschnitt liegt bei 1,4 Kindern, wobei sich Ausländer am häufigsten Nachwuchs zulegen: Jedes vierte Berliner Baby hat eine Mutter oder einen Vater nichtdeutscher Herkunft.

Dass Berlin eine kinderarme Stadt geworden ist, erschließt sich bei einem Blick auf die Haushalte. So sind in vier von fünf Wohnungen keine Minderjährigen zu finden. Und nur in jedem elften Haushalt leben zurzeit Familien mit zwei und mehr Kindern, Alleinerziehende eingerechnet. Betrachtet man die heutige Gesamtzahl der Eltern und vergleicht sie mit der Situation vor zehn Jahren, ist das Bild nicht weniger dramatisch: Sie sind um 15 Prozent weniger geworden. Und ärmer. So bezogen 1991 rund 2,5 Prozent aller Familien Sozialhilfe, heute sind es acht Prozent.

Umgekehrt wohnte im Jahr 2001 in der Hälfte aller Haushalte nur eine Person – Tendenz steigend. Denn Berlin ist für junge Leute attraktiv. Der Anteil der über 65-Jährigen von 14 Prozent blieb seit 1991 hingegen nahezu gleich. In Berlin leben sogar anteilmäßig weniger Senioren als in vielen anderen deutschen Städten.

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