Berlin : Kurzmeldungen

Gute Nachricht für Brandenburg: Der Speckgürtel wächst. Die schlechte: Die Randregionen bluten aus

Reinhart Bünger

Berlin hat in zehn Jahren nachgeholt, wofür Städte wie Hamburg oder München fünfzig Jahre gebraucht haben: Rund 270 000 Zuzügler aus Berlin haben im Umland seit der Wende einen Speckgürtel wachsen lassen. Rechnet man die Zuzüge aus Brandenburg dagegen, so verlor die Stadt nach einer aktuellen Studie des Statistischen Landesamtes Berlin unter dem Strich zwischen 1991 und 2001 rund 164 000 Einwohner an die Provinz. Mit weitreichenden Folgen, wie der Chef des Statistischen Landesamtes Berlin, Eckart Elsner, gestern sagte: „Der Stadt gingen eine halbe Milliarde Euro an Steuereinnahmen verloren.“ Überdies werde der ländliche Raum zersiedelt – allen politischen Absichtserklärungen zum Trotz.

Die Abwanderung aus Berlin hat Folgen für die Stadt. „Weil viele Wohnungen leer stehen, nehmen wir Subventionen nicht mehr, um Häuser zu bauen, sondern um sie abzureißen“, sagte Elsner. Indes ist es gerade die dichte (Platten-)Bebauung, die Berliner ins Umland treibt. Es sind vor allem junge, finanziell besser gestellte Familien aus den Großsiedlungen der Ostbezirke, die ihr Glück auf der grünen Wiese suchen. Sie liegt vorzugsweise im östlichen Umland.

Fast jeder neunte Einwohner verließ seit 1991 den Ostteil, wobei die Möbelwagen aus Marzahn, Hellersdorf und Hohenschönhausen besonders häufig ausrückten. Auch die Westberliner verwirklichen ihren Traum vom Haus im Grünen, doch es sind weit weniger: Nur jeder 17. kehrte der Stadt den Rücken – vorzugsweise in Richtung der westlichen Peripherie. Aber der Speckgürtel nährt sich nicht allein durch Berliner. 19 700 Brandenburger zogen seit der Wende in das Berliner Umland. „Vor allem die Prignitz leidet unter dem Speckgürtel“, so Elsner. Insgesamt wanderten 61 000 Brandenburger aus Randregionen ab – zumeist in Richtung alte Bundesländer.

Tendenziell werden in den nächsten Jahren immer weniger Berliner stadtflüchtig, prophezeit der Chef der Berliner Statistiker. Wer im Umland bauen wollte, hat das meist schon getan. Jetzt sind es die Bundesbediensteten, die Eigentum im Umland erwerben. Zwar geht die Bautätigkeit in Brandenburg wie in Berlin zurück, doch noch 2001 kamen auf zwei Wohnungen, die pro eintausend Einwohner in Berlin gebaut wurden, zehn im Speckgürtel.

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