Berlin : Kurzmeldungen

Frank Henkel

PRO

Es ist sinnvoll, Menschen, die noch in der Persönlichkeitsentwicklung sind, nicht von vornherein mit der ganzen Härte des Gesetzes zu konfrontieren. Ein „Warnschuss“ hat bei vielen Jugendlichen den gewünschten Erfolg. Anders sieht es bei Wiederholungstätern aus. Ihre Rückfallquote zeigt, dass sie extreme Schwierigkeiten haben, sich zurechtzufinden: in ihrer Umwelt, in sich selbst, aber auch mit einer für sie undurchschaubaren Duldungsjustiz, deren warnende Botschaft irgendwo zwischen Paragraphen und der zehnten Bewährung verloren geht. Ein Ideal mag für Engelsgeduld sprechen, die praktische Erfahrung tut es nicht. Zögern beim Bestrafen löst keine Abkehr von der Kriminalität aus, sondern Irritation oder Überheblichkeit. Leidtragende sind die Opfer. Die „weiche Welle“ verfehlt auch ihr eigenes Ziel: den pädagogischen Effekt. Gerade wer Resozialisierung ernst nimmt, sollte den Jugendstrafvollzug wieder auf zwei Grundpfeiler jeder Erziehung stellen: feste Grenzen und klare Konsequenzen. Eine konsequente Umsetzung der bestehenden Gesetze ist die überfällige Alternative zum derzeit praktizierten „gerührten Wegsehen“. Sollen straffällige Jugendliche härter und schneller bestraft werden? Nicht notwendigerweise härter – aber unbedingt schneller! Die ersten, denen eine klare Linie Respekt abverlangen wird, werden die Jugendlichen selbst sein.

Der Autor ist innenpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion des Abgeordnetenhauses

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